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15.03.2018, 14:16 Uhr KOMMENTAR ZU MINISTERPRÄSIDENTENWAHL

Söder ist noch nicht am Ziel

Von Katharina Ritzer


Die Markus-Söder-Festspiele streben ihrem (vorläufigen) Höhepunkt entgegen: An diesem Freitag soll der Franke vom Bayerischen Landtag als neuer Ministerpräsident installiert werden. Foto: dpaDie Markus-Söder-Festspiele streben ihrem (vorläufigen) Höhepunkt entgegen: An diesem Freitag soll der Franke vom Bayerischen Landtag als neuer Ministerpräsident installiert werden. Foto: dpa

Osnabrück. Ja, es ist die Krönung einer politischen Laufbahn: An diesem Freitag soll Markus Söder (CSU) vom Bayerischen Landtag zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden und damit seinen Intimfeind Horst Seehofer beerben. Aber Söder wäre nicht der ehrgeizige Machtpolitiker, als den man ihn kennt, wenn es nicht noch höher ginge. Ein Kommentar.

Die CSU und Bayern, das gehörte für den Rest Deutschlands immer zusammen wie Marianne und Michael oder Bier und Oktoberfest. Bis zur Bundestagswahl 2017, bei der die CSU mehr als zehn Prozent verloren und die 40-Prozent-Marke gerissen hat. Diese Krise war die Chance für Markus Söder, den alten Löwen Horst Seehofer wegzubeißen.

Der Tag der Wahrheit kommt aber erst noch: Am 14. Oktober will Markus Söder die CSU bei der Landtagswahl auf den Spuren seiner Vorbilder Strauß und Stoiber zurück zu alter Herrlichkeit führen. Dieser Weg wird indes kein leichter sein, denn Bayern ist keineswegs so eindimensional, wie es auf den Rest Deutschlands wirkt. So wird es für den protestantischen Franken Söder alles andere als einfach, die CSU in ihrem Kernland, dem katholischen Oberbayern, wieder geschlossen hinter sich zu bringen. Günther Beckstein als bislang letzter Ministerpräsident aus Franken kann ein Lied davon singen.

Kein Wunder, dass Söder jetzt loslegt und für seine erste Regierungserklärung nicht weniger als ein „Feuerwerk“ verspricht. Wenn es ihm in den kommenden sieben Monaten tatsächlich gelingen sollte, die Wähler von der AfD zurückzuholen, dann könnte das in der Tat eine Weiß-Blaupause für die Union im Bund sein – und Söder sich für höhere Weihen empfehlen. Ach, und CSU-Parteichef ist er ja auch noch nicht.


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