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13.03.2018, 18:38 Uhr KOMMENTAR

„Kundin“ statt „Kunde“? Zum Glück nicht!

Kommentar von Stefanie Witte

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Osnabrück. Verbessert es wirklich das alltägliche Leben, wenn eine Sparkassenkundin in Briefen künftig nicht mehr „Kunde“ genannt wird? Wohl kaum.

Wohin die vermeintliche politische Korrektheit führen kann, lässt sich in Protokollen und Seminararbeiten verfolgen, in denen es in jedem zweiten Satz um „Schülerinnen und Schüler“ und „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ geht. Lesbarkeit und Inhalt sind da offenbar nachrangig.

Befürworter argumentieren, dass Sprache soziale Wirklichkeit prägt. Das stimmt. Aber würde tatsächlich jemand davon ausgehen, dass Schüler oder Bankkunden heutzutage in erster Linie Männer sind? Ähnlich ist es beim Kunstwort „Studierende“. Der Begriff „Studenten“ lässt jetzt schon die meisten an junge Männer und Frauen denken.

Und wo sollte die vorgeschriebene Sprachkorrektheit aufhören? Beim Kreditinstitut? Beim literarischen Klassiker? Bei der Alltagssprache? Abgesehen von strafrechtlich relevanten Äußerungen sollte außerhalb von Behörden niemandem vorgeschrieben werden, was er (hier ist die Frau mitgemeint!) sagen darf.

Sprache ändert sich auch ohne Anordnung von oben. Die wenigsten verwenden heute noch Begriffe wie „Neger“ oder „Asylant“. Gleichzeitig sprechen Chefs in den meisten Unternehmen bei offiziellen Reden mittlerweile die „lieben „Kolleginnen und Kollegen an. Ganz ohne Vorschrift.


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