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13.03.2018, 16:41 Uhr KOMMENTAR ZU GIFTANSCHLAG

Putins Politik mit anderen Mittel

Kommentar von Katharina Ritzer

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal transportierte eine Spezialeinheit des britischen Militärs in Salisbury ein Polizeiauto ab. Foto: dpaNach dem Giftanschlag auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal transportierte eine Spezialeinheit des britischen Militärs in Salisbury ein Polizeiauto ab. Foto: dpa

Osnabrück. Russland will auf das britische Ultimatum im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal bis auf Weiteres nicht eingehen. Das überrascht wenig. Was jedoch nottut, ist eine gemeinsame Strategie des Westens gegen diese erneute russische Provokation. Ein Kommentar.

Man muss weder Polizist noch Jurist sein, um in diesem Fall zwei und zwei zusammenzuzählen: Moskau hatte das Motiv, die Mittel und die Macht, um Sergej Skripal und seine Tochter mit den Nervengift Nowitschok aus eigener Produktion zu attackieren. Darüber diskutieren zu wollen, ist genauso sinnvoll wie eine Debatte über russisches Staatsdoping im Sport. Staatsdoping und Staatsterrorismus sind im Staate Putin Politik mit anderen Mitteln.

Bleibt die Frage nach der Reaktion des Westens. Die sollte Putin richtig wehtun, also fallen Aktionen wie das Einbestellen von Botschaftern oder das Schreiben von weiteren Protestpapieren aus. Wenn aber dem obersten Russen der Sport als Imageträger offenbar wichtig genug ist für Staatsdoping, dann würde ihm ein Boykott der WM durch die „Three Lions“ wirklich wehtun. Und weil die russische Aggression jedes westliche Land auf dessen Staatsgebiet oder im Internet genauso treffen kann, wäre ein Boykott durch weitere Nationalmannschaften die logische Folge.

Natürlich können die Kicker nichts dafür und natürlich trifft es mit den vielen Millionen Fans die Falschen und natürlich haben die Olympia-Boykotts 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles auch nicht viel gebracht. Aber wie lange will der Westen sich denn noch bedrohen, belügen und betrügen lassen?


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