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Personalwechsel im Weißen Haus Die Liste wächst: Rücktritte und Entlassungen unter Trump

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Donald Trump (links) hat in seiner Amtszeit schon etliche Führungspositionen neu besetzt, darunter die von Jeff Sessions (von oben), Hope Hicks und James Comey. Fotos: imago/UPI Photo/Kevin Dietsch/Cheriss MayDonald Trump (links) hat in seiner Amtszeit schon etliche Führungspositionen neu besetzt, darunter die von Jeff Sessions (von oben), Hope Hicks und James Comey. Fotos: imago/UPI Photo/Kevin Dietsch/Cheriss May

Washington. Seit dem Amtsantritt Donald Trumps 2017 dreht sich das Personalkarussell im Apparat der US-Regierung: Viele führenden Köpfe sind zurückgetreten, aus dem Amt gedrängt oder entlassen worden – oft mit verbaler Ohrfeige vom Präsidenten persönlich. Ein Überblick.

Zum engen Kreis des US-Präsidenten zählen rund 60 Berater und hochrangige Angestellte des Weißen Hauses plus 15 Minister. Am Ende des ersten Amtsjahres hatte rund ein Drittel der von Donald Trump eingesetzten Führungspersonen ihre Posten wieder verlassen – deutlich mehr als in den Legislaturperioden der jüngeren Zeit. Ein Überblick der Personalwechsel unter Trump:



Sicherheitsberater unter Trump

Drei Nationale Sicherheitsberater hat es in der Trump-Administration bislang gegeben:

Michael Flynn – H. R. McMaster – John R. Bolton

Nach nur 23 Tagen im Amt trat Michael T. Flynn zurück. Er ist in die Russland-Affäre über eine etwaige Wahlbeeinflussung verstrickt, deren Aufarbeitung Trump regelmäßig als "Hexenjagd" bezeichnet. Im März 2018 gab Trump die Entlassung von Flynns Nachfolger Herbert Raymond McMaster bekannt. Nach Angaben des Weißen Hauses war es eine gemeinsame Entscheidung. Auf ihn folgte John R. Bolton, der seit April im Amt ist.

Michael T. Flynn (von links) trat kurz nach Trumps Amtsübernahme wieder zurück. Lieutenant General H. R. McMaster war daraufhin ein Jahr Sicherheitsberater für Trump, im April 2018 wurde er von John R. Bolton abgelöst. Foto: imago/Ron Sachs/Artyom Geodakyan/Kevin Dietsch

Auch bei den stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberatern gab es ein Personenkarussell: bei den Wechseln der Sicherheitsberater mussten auch die Stellvertreter ihre Posten räumen.



Kommunikationsdirektoren unter Trump

Vier ihm direkt unterstellte Kommunikationsdirektoren hat Trump im Laufe seiner Amtszeit eingestellt:

Michael Dubke – Anthony Scaramucci – Hope Hicks – Bill Shine

Mike Dubke (ohne Bild), Anthony Scaramucci (von links) und Hope Hicks sind die Vorgänger von Bill Shine. Fotos: imago/UPI Photo/ZUMA Press/Ron Sachs/Chris Kleponis

Lediglich vier Monate übte Mike Dubke den Job aus, dann trat er zurück. Sein Nachfolger, der Ex-Wallstreet-Banker Anthony Scaramucci war schon nach zehn Tagen seinen Posten wieder los. Seine Nachfolgerin, die enge Trump-Vertraute Hope Hicks, gab Ende März 2018 ihr Amt wieder auf. Aktuell hat Bill Shine den Job inne, der zuvor 20 Jahre lang Produzent beim Fernsehsender "Fox News" war.

Pressesprecher unter Trump

Zwei Pressesprecher vertritten bislang die Entscheidungen von Trumps Regierung vor Journalisten:

Sean Spicer – Sarah Huckabee Sanders

Sean Spicer trat nach einem Disput zurück. Sarah Huckabee Sanders rückte nach. Fotos: imago/ZUMA Press/Michael Brochstein

Trumps erster Pressesprecher war Sean Spicer, der nach einem halben Jahr seinen Rücktritt erklärte, nachdem er verkündet hatte, dass Anthony Scaramucci neuer Kommunikationsdirektor werden soll. Seine Stellvertreterin rückte nach: Seit September 2017 ist Sarah Sanders Pressesprecherin des Weißen Hauses.

Stabschefs unter Trump

Zwei Stabschefs, die Personalverwalter und enge Vertraute für den Präsidenten sind, hat Trump in zwei Jahren ausgewechselt:

Reince Priebus – John Kelly – Mick Mulvaney

Reince Priebus (von links) und John Kelly waren Trumps Stabschefs. 2019 wird vorübergehend Mick Mulvaney den Posten übernehmen. Fotos: imago/UPI Photo/ZUMA Press/Ron Sachs

Reince Priebus musste im Juli 2017 gehen. Er sagte, freiwillig. Andere sagten, Trump habe ihn gedrängt. Der bis dahin als Innenminister arbeitende General John F. Kelly wurde neuer Stabschef. Nach mehreren Überwerfungen mit dem Präsidenten gab er Anfang Dezember bekannt, Ende 2018 aus dem Amt zu scheiden. Nachdem zwei von Trumps Wunschkandidaten den Job ausgeschlagen haben, verkündete Trump am Freitag  Mick Mulvaney als vorübergehenden Stabschef. Auf Twitter dankte Trump John Kelly für seine Dienste, er sei ein "großartiger Patriot." 

NOZ-Kommentar: Kelly wird nicht der letzte Abgang bleiben

Außerdem sind bislang drei stellvertretende Stabschefs freiwillig gegangen: Rick Dearborn trat im März 2018 zurück, Joseph Hagin, der schon unter Ronald Reagan, George Bush und George W. Bush diente, erklärte im Juni 2018, seinen Abschied. Jüngst hat auch Nick Ayers, Stabschef des Vize-Präsidenten, angekündigt, seine Arbeit im Weißen Haus Ende 2018 niederzulegen.

FBI-Direktoren unter Trump

Drei FBI-Direktoren dienten schon unter Trump:

James Comey – Andrew McCabe – Christopher Wray

James Comey (von links) war seit 2013 FBI-Direktor, kommissarisch übernahm Andrew McCabe, auf ihn folgte Christopher Wray. Fotos: imago/ZUMSA Press/Ron Sachs/Cheriss May

"Blender" und "schwacher Drecksack": Im Mai feuerte Trump Behördenleiter James Comey – auf Rat des Justizministers Jeff Sessions. Comey hatte seinen Vorgänger Robert Mueller zum Sonderermittler ernannt, der die Vorwürfe um eine russische Einmischung in die US-Wahl 2016 untersuchen soll. Comey und Trump lieferten sich im Nachhinein heftige Wortgefechte und beleidigten sich gegenseitig.

"Großartiger Tag für die Demokratie": Andrew McCabe war seit 2016 Stellvertreter Comeys und war kommissarischer FBI-Leiter, bis er im März 2018 vom Justizminister gefeuert wurde – zwei Tage bevor er einen Pensionsanspruch gehabt hätte. 

"Reputation im Eimer": Seit September 2017 führt Christopher Wray die Geschäfte der Bundesbehörde. Trump blieb seiner Vereidigung fern, weil das FBI seine Verstrickungen mit russischen Kontakten untersucht. Später schimpfte er, das FBI habe an Ansehen verloren, woraufhin Wray seine Behörde in einer Mail an seine 35.000 Mitarbeiter verteidigte. Es sei ihm eine Ehre, die hart und professionell arbeitenden Beamten zu vertreten, schrieb er und schloss mit: "Bewahren Sie Ruhe und packen Sie mit an."

Weitere skandalumwitterte Rücktritte unter Trump

  • John McEntee, persönlicher Assistent Trumps, wurde im März 2018 aus dem Amt gedrängt. Gegen ihn wird wegen Finanzkriminalität ermittelt.
  • David Sorensen, Redenschreiber im Weißen Haus, trat im Februar 2018 zurück, nachdem Missbrauchsvorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren. Er soll seine Ehefrau misshandelt haben.
  • Rob Porter, Stabssekretär, trat ebenfalls im Februar 2018 wegen Missbrauchsvorwürfen zurück. Seine beiden früheren Ehefrauen beschuldigten ihn häuslicher Gewalt.
  • Brenda Fitzgerald, Direktorin der US-Zentren für Krankheitskontrolle trat im Januar 2018 zurück, nachdem sich umstrittene Investitionen in Tabak- und Gesundheitsunternehmen getätigt hatte.
  • Carl Higbie, Abteilungsleiter in der US-Behörde für Nationale Dienste und Gemeinnützigkeit, gab im Januar 2018 sein Amt ab, nachdem er mit fremdenfeindlichen, rassistischen und homophoben Äußerungen für einen Eklat gesorgt hatte.

Feuert Trump seine Mitarbeiter nie selbst?

In der TV-Show "The Apprentice" ist Trumps "You're fired!"-Satz Kult, in der Realität drückt sich Trump offenbar vor Entlassungsgesprächen. Stattdessen hat er bislang schon Kabinettsmitglieder oder seinen Schwiegersohn vorgeschickt, um die Nachricht zu überbringen oder informierte direkt seinen Lieblingssender "Fox News". FBI-Direktor James Comey erfuhr über seine Entlassung aus dem Kabelfernsehen. Außenminister Rex Tillerson erhielt die Neuigkeit seiner Kündigung – wie der Rest der Welt – über den Tweet des Präsidenten. Trump entscheide impulsiv und intuitiv über seine Mitarbeiter, sagen Beobachter. Loyalität zähle für ihn mehr als Qualifikationen. Wer sein Vertrauen missbrauche, fliegt.


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