Neuordnung bei Eon und RWE DIW-Expertin Kemfert fürchtet Rückschlag für Energiewende

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Osnabrück. Rückenwind für Eon und RWE bei der Neuordnung ihres Energiegeschäfts: Bundesregierung und Gewerkschaften sehen die geplante Zweiteilung in Netz und Erzeugung positiv. Verbraucherschützer hoffen auf sinkende Strompreise. Es gibt aber auch mahnende Stimmen. So warnt Claudia Kemfert, Energiewirtschaftsexpertin beim Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, vor einem Rückschlag für die Energiewende. Ein Interview.

Frau Kemfert, Eon und RWE wollen ihre Geschäfte neu ordnen. Was bedeutet das Blick auf den Wettbewerb? Müssen sich Verbraucher und Endkunden auf höhere Preise einstellen?

Der Wettbewerb ist nach wie vor da, es gibt eine große Anzahl von Anbietern, vor allem auch Ökostromanbieter, die von diesem Deal wenig zu befürchten haben. Die Strompreise steigen seit einiger Zeit aufgrund der vermurksten Energiewende, unabhängig von der Anzahl der Stromanbieter. Die niedrigen Strombörsenpreise werden nicht an die Kunden weiter gegeben. Zudem sorgen überhöhte Netzentgelte samt Leitungsausbau, Kohleabwrackprämien und Verschleppung der Energiewende für steigende Strompreise. Mögliche Marktmacht könnte in erster Linie durch Eon und den Zukauf der Netze entstehen. Dieser Bereich ist aber reguliert und somit können überhöhte Strompreise durch kluge Regulierung verhindert werden, was leider aber - unabhängig von der Marktstruktur - derzeit nur unzureichend stattfindet. Die derzeitigen Traumrenditen für Netzbetreiber ermöglichen stark steigende Netzentgelte und somit Strompreise, dieser Effekt kann durch die Marktfusion weiter verstärkt werden.

Die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE konzentriert werden. Wird das die Versorgung mit Ökostrom voranbringen? Erwarten Sie zusätzliche Investitionen/Synergien?

Für die Energiewende ist diese Entwicklung eher besorgniserregend: Zum einen ist kaum zu erwarten, dass RWE die Energiewende wirklich voranbringen wird. Anders als Eon hat dieser Konzern in der Vergangenheit sehr rückwärtsgewandte Unternehmensentscheidungen getroffen hat und zu wenig Geschäftsmodelle für erneuerbare Energien entwickelt. Dass Innogy kaum lebensfähig ist, ist die direkte Konsequenz aus diesen wenig innovativen Managemententscheidungen. Zum anderen will Eon sich nun in erster Linie auf das Netzgeschäft konzentrieren, obwohl es nach der Aufspaltung durchaus interessante Geschäftsmodelle für die Energiewende entwickelt hat. Dass dies nun aufgegeben wird, ist für die Energiewende ein Rückschlag.

Das Netzgeschäft soll bei Eon konzentriert werden. Auch hier die Frage: Wird die Neuordnung einen Innovations- und Investitionsschub auslösen? Wird sie den dringend notwendigen Trassenausbau voranbringen?

Das sehe ich nicht unmittelbar. Sicherlich werden weiterhin aufgrund der üppigen Renditen die Netze überdimensioniert ausgebaut werden, aber für die Energiewende notwendige Innovationen und Investitionen werden kaum zu erwarten sein. Die Energieriesen scheinen keine geeigneten Geschäftsmodelle für die Energiewende zu finden, sie können offenbar nur groß-skalige Projekte umsetzen und tun sich schwer mit den neuen Geschäftsmodellen, die dezentral, erneuerbar, innovativ, flexibel und dynamisch sind. Eigentlich war die neue Eon-Ausrichtung schon geeignet gewesen, sich den Markt der Energiewende zu erschließen. Dass Eon nun ausgerechnet den Bereich der erneuerbaren Energien abgibt, ist aus meiner Sicht nicht wirklich ein Fortschritt für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende.

Welche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt könnte die geplante Neuordnung haben?

Aus heutiger Sicht ist ja noch nicht bekannt, ob dieser Deal tatsächlich wie gewünscht umgesetzt werden kann. Daher ist es völlig offen, welche Stellen verlagert werden oder wegfallen. Durch eine kluge Ausrichtung auf die Geschäftsmodelle der Energiewende könnten mittel- bis langfristig zukunftsweisende Jobs gesichert werden. Das Management hat es selbst in der Hand, den Beschäftigten diese Chancen zu ermöglichen.


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