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23.08.2013, 15:43 Uhr KOLUMNE

Die Legalisierung der Bratwurst

Von Katja Heins


Während wir uns in Deutschland am 22. September zur Bundestagswahl mit Erst- und Zweitstimmen, Landeslisten und der Fünf-Prozent-Hürde beschäftigen, geht es in der Schweiz um die Wurst. Foto: ColourboxWährend wir uns in Deutschland am 22. September zur Bundestagswahl mit Erst- und Zweitstimmen, Landeslisten und der Fünf-Prozent-Hürde beschäftigen, geht es in der Schweiz um die Wurst. Foto: Colourbox

Osnabrück. In vier Wochen wird in Deutschland gewählt. Doch auch in unserem Nachbarland der Schweiz steht am 22. September eine Entscheidung von enormer Wichtigkeit bevor: Darf nun nachts Bratwurst an Tankstellen verkauft werden oder nicht?

Von Katja Heins

Während bei uns in Deutschland am 22. September die Bundestagswahl ihren Lauf nimmt, muss auch die Schweiz abstimmen. Doch dort geht es nicht um Belanglosigkeiten wie die künftige Regierung des Landes, nein, vielmehr steht auf dem Spiel: Es geht um die Wurst! Und um Tomatensaucen in Dosen, Pizzen, Familienpackungen und Six-Packs. Offizieller und leicht sperriger Titel der Volksabstimmung: „Die Annahme der Liberalisierung der Öffnungszeiten von Tankstellenshops“. Protestgruppen nennen es kurz und knapp „Die Legalisierung der Bratwurst“.

Die Schweiz stimmt über eine Änderung im Arbeitsgesetz ab. Tankstellen und Gastronomiebetriebe können an sieben Tagen der Woche 24 Stunden geöffnet haben. Anders sieht es jedoch bei Tankstellen-Shops aus. Zwischen ein und fünf Uhr morgens gilt aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen ein Verkaufsverbot für alle Waren, die nicht vor Ort konsumiert werden können. Das heißt: Eine Packung Cervelatwurst (roh essbar) darf rund um die Uhr verkauft werden, eine Bratwurst (wie der Name schon sagt) muss erst gebraten werden und ist daher nachts unverkäuflich. Wo Bistro und Shop nicht räumlich getrennt sind, muss ein Teil der Verkaufsfläche während der vier Stunden abgesperrt werden.

Das soll gefälligst auch so bleiben, fordert die Sonntagsallianz, eine Vereinigung aus gewerkschaftlichen und kirchlichen Kreisen, der auch die Sozialdemokraten und die Grünen angehören. Sie befürchten laut Aargauer Zeitung eine Liberalisierungswelle und letztlich den 24-Stunden-Arbeitstag. Knapp 90.000 Unterschriften gegen die Gesetzesänderung haben sie schon gesammelt.

Der Bundesrat rechnet indessen nicht mit einer erheblichen Zunahme der Nachtarbeit: Die betroffenen Betriebe hätten ja ohnehin geöffnet, heißt es in der Neuen Zürcher Zeitung . Ob die Mitarbeiter neben dem heißen Kaffee und 40 Litern Benzin auch noch ’ne Wurst verkauften, spiele keine Rolle, so die Befürworter des Gesetzes.

In den sozialen Netzwerken schlägt die Debatte längst hohe Wellen. User monieren sich über „staatliche Bevormundung“ und „Behördenwahnsinn“ . Auf Facebook hat sich eine Gruppe mit knapp 1000 Fans der „Bratwurst-Legalisierung“ formiert.

Wie wird die Abstimmung wohl verlaufen? Wenn in der Schweiz eine ähnlich massive Wechselstimmung wie im politischen Deutschland herrscht - bleibt alles so wie es ist. Da wird keine Wurst vom Teller gezogen!

Einen Vorteil hat die Abstimmung in der Schweiz aber: Man weiß von vornherein, dass es um Würstchen geht. Bei der deutschen Bundestagswahl stellt sich leider oft erst später heraus, wen man da eigentlich nach Berlin geschickt hat…

Liebe Leser: Sind Ihnen auch schon Kuriositäten und Absurditäten im Wahlkampf aufgefallen? Schreiben Sie uns an wahl@noz.de

Katja Heins ist Redakteurin im Bereich NOZ Digital und kümmert sich um die Online-Berichterstattung zur Bundestagswahl.

Weitere humorige Themen zur Bundestagswahl finden Sie in unserem Politik-Blog


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