Bürgerrechte schützen FDP-Kandidat Thomas Thiele: Gegen die Dogmatiker

Von Frank Henrichvark

Nussbaums Werk schätzt Thomas Thiele, weil es zu Freiheit und Menschenwürde mahnt. Foto: Hermann PentermannNussbaums Werk schätzt Thomas Thiele, weil es zu Freiheit und Menschenwürde mahnt. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Schon vor 35 Jahren als Schülersprecher am Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück hat Thomas Thiele einerseits gegen Atomkraftwerke demonstriert, aber sich andererseits auch mit den von DKP und KBW inspirierten kommunistischen Splittergrüppchen angelegt, die damals an Schulen und Universitäten die Debatte beherrschten.

Er sei schon immer „gegen jegliche Dogmatiker“ gewesen, sagt der FDP-Kandidat im Wahlkreis Osnabrück – weshalb er dann auch 1980 in die liberale Partei eingetreten ist. Damals folgte er mit diesem Schritt seinem Bruder Carl-Ludwig, der von 1990 bis 2010 für die FDP im Bundestag saß und heute im Vorstand der Bundesbank ist.

Der Staat müsse die Bürgerrechte schützen, aber er dürfe dabei nicht übers Ziel hinausschießen: Dieses liberale Credo treibt bis heute den 56-jährigen Thiele an. Die Konservativen seien ihm manchmal zu sehr auf Ordnungspolitik bedacht, die Sozialdemokraten zu fürsorglich und die Grünen zu dogmatisch, sagt er: „Die Menschen sollen sich doch frei entfalten können und dürfen nicht bevormundet werden.“ Daher schätzt er auch die Bilder des Osnabrücker Malers Felix Nussbaum hoch: „Nussbaums Bilder leben weiter, ihre Mahnung geht über die Vergangenheit hinaus in die Zukunft: Die Freiheit des Individuums muss immer wieder verteidigt werden.“

Aufgabe des Staates sei es dann nur, die Rahmenbedingungen einer freiheitlichen Entfaltung des Einzelnen zu garantieren: Durch stabile Finanzen, durch eine kluge Außenpolitik oder zum Beispiel im Bildungssystem: „Wir haben heute ein vielfältiges und durchlässiges Bildungssystem, aber unsere Hochschulen sind drastisch unterfinanziert, und der akademische Nachwuchs wandert deshalb bereits ab.“

Für die kommende Legislaturperiode hat Thiele einen zentralen Wunsch: Die Politik müsse wieder gestalten können, „zu einem dynamischen Prozess werden.“ Allzu sehr habe sich seine Partei in der schwarz-gelben Koalition aufgerieben und wichtige Themen wie die Deregulierung oder Haushaltsdisziplin und Steuersenkung aus den Augen verloren: „Es war ja ohnehin keine Liebeshochzeit“, sagt Thiele, vielmehr habe die CDU eben eine Mehrheit gebraucht und dann auch ungeniert durchregiert: „Beim Betreuungsgeld zum Beispiel hätte ich dagegen gestimmt.“


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