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09.03.2018, 17:19 Uhr KOMMENTAR

Lehrermangel: Am Ruf des eigenen Berufs arbeiten

Kommentar von Johannes Giewald

Foto: Julian Stratenschulte/dpaFoto: Julian Stratenschulte/dpa

Osnabrück. Deutschland braucht neue Lehrer. Der miese Ruf des Berufs ist ein Grund dafür, findet unser Kommentator. Zeit für die Lehrer, dagegen anzusteuern.

Schulleiter in ganz Deutschland suchen händeringend neue Lehrkräfte. Die vielen offenen Stellen lassen sich aber nicht nur an zu wenigen Studienplätzen festmachen. Ja, die Politik hat eklatante Fehler gemacht: Neubesetzungen nach Pensionierungswellen wurden fahrlässig verschlafen und Gehaltsunterschiede etwa zwischen Grundschul- und Gymnasiallehrern nicht überdacht.

Aber: Ein Grund für den Lehrermangel ist auch der miserable Ruf, den der Beruf in Teilen der Gesellschaft hat. Die einen schimpfen über bequeme Beamte, die angeblich 60 Tage Urlaub im Jahr genießen. Andere sehen das genaue Gegenteil, und betrachten Lehrer als überarbeitet und ausgebrannt, weil sie mit Schülern und Eltern vermeintlich überfordert seien.

Eigenwerbung betreiben

Für die Rahmenbedingungen des Lehrerwerdens und -seins ist die Politik verantwortlich. Dass Schulleiter mit dem Finger auf desaströse Fehler in der Bildungspolitik zeigen, ist nachvollziehbar. Damit machen es sich die Rektoren aber zu leicht: Den schlechten Ruf ihrer Arbeit aufzufrischen haben Lehrer auch selbst in der Hand. Keine andere Berufsgruppe hat einen leichteren Zugang zu baldigen Studienanfängern, und kann daher so nah an der Zielgruppe Werbung für den eigenen Job betreiben. Die Zahl der Abiturienten steigt seit Jahren an. Wer sie an der Schule wiedersehen will, hat lange Zeit, sie dazu zu motivieren.


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