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Nummernschilder Polizeigewerkschaft kritisiert Kfz-Kennzeichen: „Besser Aufkleber für jedes Kuhdorf“

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<em>Freie Fahrt für die Fantasie</em> bei Autokennzeichen :Der Vorstoß von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist umstritten. Foto:dpaFreie Fahrt für die Fantasie bei Autokennzeichen :Der Vorstoß von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist umstritten. Foto:dpa

Berlin/Osnabrück. Heimatliebe auf dem Nummernschild: Bei Kraftfahrzeug-Kennzeichen sollen Kreise und Städte mehr freie Hand bekommen, auch um verschwundene Kürzel wiederzubeleben. Kritiker befürchten deswegen ein Durcheinander und mehr Bürokratie.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat die vom Bundesverkehrsministerium geplante Lockerung bei den Autokennzeichen als „Klamauk-Politik“ kritisiert und vor einem Anstieg ungeklärter Ordnungswidrigkeiten und Straftaten gewarnt. In einem Gespräch mit unserer Zeitung sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt: „Wer Lokalpatriotismus zu seinem Kuhdorf zeigen will, soll das über einen Aufkleber am Kofferraum tun – aber bitte nicht über das amtliche Kfz-Kennzeichen.“

Wendt befürchtet, durch den größeren Freiraum der Kreise und Städte werde die Arbeit der Polizei erschwert. „Die Kollegen werden die kryptischen Buchstabenkombinationen kleiner Ort schwerer entziffern können. In der Folge wird es schwerer werden, die Täter bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten zu ermitteln“, sagte er. Zudem erwartet er durch die Vergabe neuer Kennzeichen einen höheren Bürokratieaufwand der Straßenverkehrsbehörden.

Auch Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) äußerte sich gestern in Hannover skeptisch. „Das Autokennzeichenraten wird schwerer. Wir kommen damit in das nächste Level. Das muss man zugeben. Aber vielleicht sucht man ja auch neue Herausforderungen.“ Sein nordrhein-westfälischer Amtskollege, Michael Groschek (SPD), begrüßt dagegen die geplante Lockerung bei den Autokennzeichen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) plant die Wiedereinführung von Kennzeichen, die bei Gebietsreformen verschwunden sind. Er will auch die Einführung völlig neuer Kombinationen etwa für kleinere Städte ermöglichen. Ausgeschlossen sind weiterhin Kürzel, die „gegen die guten Sitten verstoßen“. Ein SEX als Unterscheidungskennzeichen ist wohl nicht möglich.

Der Städte- und Gemeindebund hat  die Pläne des Verkehrsministers für mehr freie Wahl begrüßt. In einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg: „Das ist im Interesse der Bürger.“ Diese könnten per Autokennzeichen die enge Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt zum Ausdruck bringen. Der Präsident des Landkreistags, Hans Jörg Duppré, warnte dagegen vor .„Kennzeichenwirrwarr“.


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