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09.03.2018, 12:54 Uhr NORDKOREA-KONFLIKT

Der Friedensgipfel von Trump und Kim hat einen entscheidenden Haken

Kommentar von Marion Trimborn

US-Präsident Donald Trump will mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un über dessen Atomprogramm reden. Foto: dpaUS-Präsident Donald Trump will mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un über dessen Atomprogramm reden. Foto: dpa

Osnabrück. Völlig überraschend wollen sich der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber zu einem Friedensgipfel treffen. Dort werden Donald Trump und Kim Jong Un über eine Lösung des seit Monaten schwelenden Atomkonflikts sprechen. Wirklich viel ist von diesem Treffen aber nicht zu erwarten. Ein Kommentar.

Es ist eine Überraschung der positiven Art, was bei Donald Trump nicht so oft vorkommt. Der US-Präsident hält sich halt an keine Regeln, und in diesem Fall ist das gut so. Nach allerlei Kriegsrhetorik ist Trump bereit, Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zu einem Gipfel zu treffen und über den Atomkonflikt zu reden. Jüngst noch verspottete der Amerikaner Kim als „kleinen Raketenmann“ und rühmte sich wie ein pubertärer Lümmel mit dem größeren und mächtigeren Atomknopf. Jetzt gibt Trump sich plötzlich überraschend zahm. Feuer und Zorn sind abgesagt – ran an den Verhandlungstisch. Mit seiner Mischung aus harten Sanktionen und Drohgebärden hat der US-Präsident Nordkorea an den Tisch gezwungen.

Kim hat es geschafft

Der Gewinner ist aber zunächst einmal ein anderer, nämlich der stalinistisch regierende und isolierte Diktator Kim, der enorm aufgewertet wird. Der hat mit seinem Atomraketenprogramm gute technische Erfolge erzielt und es geschafft, von der Supermacht USA ernst genommen zu werden. Er darf auf Augenhöhe verhandeln. Dabei braucht Kim vor allem dringend eine Pause, um zu verhindern, dass sein unter den UN-Sanktionen dahin siechendes Land wirtschaftlich zusammenbricht.

Die gute Nachricht ist: Das Einlenken der beiden Kontrahenten eröffnet die Chance auf Entspannung und senkt die Gefahr eines Atomkrieges, die derzeit die Welt in Atem hält. Der Haken daran ist: Man kann nicht von einem historischen Durchbruch sprechen. Denn wirklich viel kann bei den Gesprächen nicht herauskommen.

Machtbalance in Gefahr

Kim wird niemals auf seine Atomwaffen verzichten, weil sie die politische Lebensversicherung seines Unterdrücker-Regimes sind. Auf der anderen Seite können die USA seine Forderung, auf der gesamten koreanischen Halbinsel abzurüsten, nicht akzeptieren, weil dann Südkorea auf den Schutzschirm der Amerikaner verzichten müsste. Das würde die fragile Machtbalance in Ostasien zudem komplett durcheinander bringen.

Außerdem wird es erst jetzt richtig knifflig. Trump muss zeigen, was er diplomatisch drauf hat. Ob er schon einen konkreten Plan hat, wie er die Welt von einem atomar bewaffneten Nordkorea befreien will?


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