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10.03.2018, 00:00 Uhr BERLINER GEFLÜSTER

Shitstorm vor Amtsantritt: Bär und die Flugtaxis

Kommentar von Jörg Gierse

Mit dem Flugtaxi nach Berlin? Die neue CSU-Digitalministerin Dorothee Bär muss zum Start viel Spott verkraften. Foto: imago/ZUMA PressMit dem Flugtaxi nach Berlin? Die neue CSU-Digitalministerin Dorothee Bär muss zum Start viel Spott verkraften. Foto: imago/ZUMA Press

Berlin. Nicht nur, aber vor allem auf dem Land ist das Internet in Deutschland immer noch lahm wie eine Schnecke. Dass die neue Digital-Staatsministerin Bär in einem Interview trotzdem lieber von Flugtaxis als Zukunftsvision schwärmt, trägt der CSU-Frau viel Spott ein – für manche zu viel.

Es sah nach einem tollen Start für Dorothee Bär von der CSU aus. Als eine der wenigen Regierungspolitiker in Berlin kümmert sich die 39-Jährige glaubhaft um die Digitalisierung, hat sich zudem als Frau im Männerverein CSU nach oben gekämpft. Gerade erst war sie dafür mit dem brandneuen Posten einer Staatsministerin belohnt worden, die im Kanzleramt das brachliegende Digitalfeld zum Aufblühen bringen soll. Und jetzt: die Flugtaxi-Affäre.

Der erste Shitstorm überrollte Bär in dieser Woche, noch bevor sie ihr Amt überhaupt antreten konnte. In einem Interview mit dem ZDF hatte sie gesagt, Digitalisierung sei mehr als nur flächendeckendes schnelles Internet. Man müsse zum Beispiel auch über autonomes Fahren nachdenken – oder über Flugtaxis. Eine gigantische Woge des Spotts schwappte durch die sozialen Netzwerke. Gibt es schon, schrieben viele und posteten Bilder von Pippi Langstrumpf im Tretflugzeug oder der Wuppertaler Schwebebahn.

Die eigenen Mautpläne ausgekontert?

„Wo das Internet zu lahm ist, kann man sich bald ein Flugtaxi bestellen und einfach zum nächsten schnellen Rechner fliegen“, ätzte ein Twitterer. Und ein anderer witzelte: „Die CSU ist verdammt gerissen. Erst die Pkw-Maut durchboxen, und dann Flugtaxi bauen wollen, um keine bezahlen zu müssen.“ Selbst Politiker wie Cem Özdemir und Christian Lindner hauten munter drauf.

Erst nach und nach sprangen Bär auch einige Nutzer bei: Es sei doch gut, dass sich jemand mal Gedanken über Verkehrsmittel mache, die den Kollaps in den Großstädten verhindern könnten, hieß es da. Und wieder andere fragten sich, wie die Bayerin überhaupt auf das Beispiel Flugtaxis gekommen war. Vielleicht wegen des Münchner Startups Lillium, das gerade genau so ein Ding entwickelt – und dafür bei Investoren schon 90 Millionen Dollar eingesammelt hat?


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