CDU/CSU und SPD bilden Regierung Kabinett 2018 im Porträt: Das sind die neuen Bundesminister

Von Jörg Gierse, Johannes Giewald, Markus Lorenz, Lothar Schmalen, Beate Tenfelde und dpa

Die Kabinettmitglieder der neuen Großen Koalition bei ihrer ersten Sitzung. Foto: AFPDie Kabinettmitglieder der neuen Großen Koalition bei ihrer ersten Sitzung. Foto: AFP

Berlin. Bei einer Neuauflage der Großen Koalition in Berlin werden dem Kabinett neben alten Vertrauten auch einige Politiker aus der bisherigen Nachwuchsriege angehören. Auch ein paar überraschende Personalien sind dabei. Die neuen Bundesminister von CDU/CSU und SPD kurz porträtiert.



Olaf Scholz wird neuer Finanzminister. Foto: dpa


Olaf Scholz (SPD) - Finanzminister und Vizekanzler

Dass die Rückkehr auf die Berliner Bühne für ihn immer eine Option war, hat Hamburgs Noch-Bürgermeister öffentlich nie zugegeben. Doch tief im Inneren hielt und hält Olaf Scholz sich sogar für kanzlerfähig. Wenn er jetzt geht, hat das freilich nicht nur mit Eitelkeit, sondern auch mit Pflichtbewusstsein zu tun.

In seinen sieben Jahren als erster Mann im Stadtstaat vermittelte der akribische Polit-Handwerker immer mal den Eindruck von Unterforderung. Hinter seinem Wechsel ins Merkel-Kabinett als Finanzminister und – vor allem – Vizekanzler steht indes vor allem tiefe Sorge um seine Partei. Scholz sieht die SPD am Abgrund, die jetzt ihr allerbestes Personal braucht, um den Sturz in die Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Also ihn.

Dass Scholz seiner Vertrauten Andrea Nahes den Vortritt beim Parteivorsitz lässt, ist keineswegs als Verzicht auf höhere Ambitionen des gebürtigen Osnabrückers zu deuten. Die Kanzlerkandidatur 2021 bleibt für den kühlen wie umsichtigen Taktiker eine Möglichkeit.

Für den Job des Finanzministers bringt der Jurist allerlei nützliche Tugenden mit. Scholz ist ein Detail-Fanatiker, ein Zahlenmensch, ein Aktenfresser, wie ihn das Hamburger Rathaus lange nicht gesehen hat. In alle relevanten Politikthemen der Metropole hat er sich reingefräst, einer seiner Lieblingsbegriffe lautet „sorgfältig“. Scholz mag spröde, ja empathiefrei sein. Gleichwohl hielten die Hamburger bis zuletzt große Stücke auf ihr Stadtoberhaupt.


Franziska Giffey wird neue Familienministerin. Foto dpa


Franziska Giffey (SPD) - Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Mit Franziska Giffey ist zu rechnen. Dies hat die Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Neukölln schon im vergangenen Herbst deutlich gemacht. Nach der krachenden Wahlniederlage ihrer SPD hat sie eine Debatte um Berlins oft blassen Regierungschef Michael Müller angezettelt. Sie sagte, sie habe Zweifel, ob das Doppelamt Senatschef und SPD-Landeschef wirklich die optimale Aufstellung sei.

Es blieb offen, ob ihr Vorstoß nur ein Versuchsballon oder schon eine Bewerbung war. Auf der Führungsebene der Berliner SPD wurde die Mischung aus Kritik und Kampfansage recht schnell als „Profilierungslust“ abgetan. Doch klar ist seither: Die 39-jährige Politikerin hat noch viel vor. Nun soll sie im Familienministerium neue Ressortchefin werden.

In Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat sie starke Fürsprecher. Sie schätzen an Giffey besonders, dass sie für Integration und eine strenge Law-and-Order-Politik steht. Die Bürgermeisterin regiert seit fast drei Jahren den Berliner Problembezirk, in dem von 328.000 Einwohnern rund 140.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben. „Wichtig ist nicht, woher du kommst, sondern wer du sein willst“, sagt Giffey.

In Neukölln ist die Verbrechensrate hoch, der Drogenmissbrauch ebenso. In Teilen des Bezirks kommen 80 bis 90 Prozent der Grundschüler aus armen Familien. Im Norden leben arabischstämmige Clan-Familien mit großer krimineller Energie, im Süden terrorisiert die rechtsradikale Szene Flüchtlingshelfer und engagierte Politiker. Die Sozialdemokratin nennt all die Schwierigkeiten laut beim Namen, pocht auf Einhaltung von Regeln, kommt dabei ohne Betroffenheitsvokabeln aus, tritt sachlich und freundlich auf. „Ich will nicht ewig diskutieren, ob man ein Problem haben darf oder nicht – ich will es lösen.“


Heiko Maas wechselt aus dem Justizministerium ins Auswärtige Amt. Foto: dpa


Heiko Maas (SPD) - Außenminister

Über den politischen Stil von Heiko Maas kann man streiten. Manch einem geht sein Hang zur persönlichen Profilierung zu weit – etwa, wenn sich der begeisterte Twitterer öffentlichkeitswirksam zu politischen Themen äußerte, für die er als Justizminister gar nicht zuständig war. Andere mokieren sich darüber, dass Maas allzu oft auf roten Teppichen zu sehen ist, seitdem er und die Schauspielerin Natalia Wörner ein Paar sind. Eins gestehen aber auch Gegner dem 51-jährigen Saarländer zu: Er ist verdammt fleißig.

Mietpreisbremse, Sexualstrafrecht, Frauenquote, Anti-Doping- und Anti-Terror-Gesetze: Die Liste von Vorhaben, die Maas binnen vier Jahren anstieß und umsetzte, ist beeindruckend. Nicht alles war ein Volltreffer: Sein Gesetz gegen Hetze im Internet ist immer noch hochumstritten. Und seinen Sinneswandel bei der Vorratsdatenspeicherung, die er erst ablehnte und dann auf Druck von SPD-Chef Sigmar Gabriel doch umsetzte, tragen ihm manche in der Partei bis heute nach.

Für Gabriels Nachfolge im Auswärtigen Amt qualifiziert Maas formal erst einmal wenig. Doch das war auch so, als der bundespolitische Neuling 2013 Justizminister wurde. In Saarbrücken war er zuvor Umwelt- und Wirtschaftsminister gewesen, hatte dreimal als SPD-Spitzenkandidat die Landtagswahl verloren. Seine klare Haltung gegen Fremdenfeindlichkeit, die ihn zum Feindbild der rechten Szene gemacht hat, könnte Maas bei einigen ausländischen Regierungen helfen – bei anderen dagegen eher schaden.


Katarina Barley wird neue Justizministerin. Foto: dpa


Katarina Barley (SPD) - Ministerin für Justiz und Verbraucher

Charmant und eloquent, dabei hartnäckig, immer gut im Thema und mit Sinn für Humor: Katarina Barley (49) hat sich in Berlin den Ruf einer pragmatischen Alleskönnerin erarbeitet. Dabei mischt Barley, die ihren englisch ausgesprochenen Nachnamen („Barley wie Harley“) ihrem britischen Vater verdankt, seit nicht einmal fünf Jahren in der Bundespolitik mit: 2013 zog sie erstmals für die rheinland-pfälzische SPD in den Bundestag ein.

Aufgewachsen in Köln, macht sie aus ihrer Liebe zum Karneval keinen Hehl. Vielleicht hat ihr das beim Start im Berliner Polit-Zirkus geholfen: Spätestens seit Sigmar Gabriel sie Ende 2015 zur SPD-Generalsekretärin machte, stand Barley im Blickpunkt. Sie kam nicht nur mit ihrem schwierigen Chef überraschend gut klar, ihr fiel auch die Aufgabe zu, den Bundestagswahlkampf 2017 zu organisieren – ein Job, um den sie kaum jemand beneidete. Kurz vor der Wahl übernahm sie dann von Manuela Schwesig das Familienressort, nach der Wahl im Herbst kommissarisch auch noch Arbeit und Soziales. Beides ging Barley trotz der kurzen Frist mit Elan an. 


Hubertus Heil wird neuer Arbeitsminister. Foto: imago/Thomas Koehler/photothek.net


Hubertus Heil (SPD) - Minister für Arbeit und Soziales

Hubertus Heil gilt als Mittler in der SPD-Fraktion und zählt zu jenen, die zu allen Themen pointiert Stellung beziehen können. Das erkannte wohl auch der einstige SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck, der den gebürtigen Hildesheimer 2005 als Generalsekretär vorschlug. Heil wurde damals mit 61,7 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt und verantwortete den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009.

Allerdings fuhr die SPD mit 23 Prozent damals ihr bis dato schlechtestes Ergebnis ein. Heil musste seinen Posten räumen, erlebte aber 2017 ein Comeback – das in einem noch größeren Debakel endete: Kanzlerkandidat Martin Schulz berief ihn im Juni erneut zum Generalsekretär un Wahlkampfmanager, als Nachfolger von Katarina Barley. Mit 20,5 Prozent rutschte die SPD bei der Wahl im September aber noch tiefer in der Wählergunst. Nach der Niederlage kündigte der Niedersachse seinen Rückzug an, wollte eigentlich Parlamentarischer Geschäftsführer werden – nun wird es sogar ein Ministeramt.

Heil gehört in der SPD dem von ihm mitgegründeten Netzwerk Berlin an, das die pragmatische Mitte der Fraktion repräsentiert. Im Bundestag hat er sich vor allem als Wirtschaftsfachmann einen Namen gemacht. Er war aber auch für die Themen Bildung und Forschung zuständig und hat mit der Union ein Milliarden-Programm für die Wissenschaft geschnürt.

Mit 45 Jahren ist Heil deutlich jünger als der Durchschnitt der Fraktion. Ein altes Eisen ist er im Bundestag dennoch: Der Frühstarter errang 1998 mit 25 Jahren sein erstes Mandat. Hubertus Heil hat Politikwissenschaft und Soziologie studiert. Er ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter. 


Svenja Schulze wird neue Umweltministerin. Foto: dpa


Svenja Schulze (SPD) - Ministerin für Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit

Auch wenn sie bundespolitisch noch nicht so bekannt ist, gehört Svenja Schulze (49) aus Münster, die nun als Umweltministerin ins Bundeskabinett aufrücken könnte, nicht zu den ganz neuen Gesichtern in der SPD. Während der Regierungszeit von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihrer rot-grünen NRW-Landesregierung stand sie an der Spitze eines Ministeriums im größten deutschen Bundesland.

Dabei stieß ihre Arbeit als Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen auf wenig Gegenliebe, weil sich die frühere Asta-Vorsitzende der Uni Bochum mit ihrem Hochschulzukunftsgesetz von 2014 vor allem mit Professoren anlegte. Doch, mit ihrem Namen bleibt auch verbunden, dass sie zum Wintersemester 2011/12 die Studiengebühren in NRW abschaffte – eines der wichtigsten Projekte des ersten Kabinetts von Kraft.

Als die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf im Mai 2017 krachend abgewählt wurde, schaffte Schulze dennoch den Übergang in die neue SPD-Zeit. An der Seite des ehemaligen NRW-Verkehrsministers Michael Groschek, der als Nachfolger der zurückgetretenen Hannelore Kraft für einen Übergang neuer Landeschef wurde, ist sie seitdem Generalsekretärin des Landesverbandes ihrer Partei.


Ursula von der Leyen bleibt Verteidigungsministerin. Foto: AFP


Ursula von der Leyen (CDU) - Verteidigungsministerin

Beim Karriereweg von Ursula Gertrud von der Leyen gab es bisher immer nur eine Richtung: Es ging nach oben. Nun aber verharrt die 58-Jährige etwas länger als sonst in einem Ressort. Die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht wird nach dem Wunsch von CDU-Chefin Merkel weiter das Verteidigungsministerium führen, das sie 2013 übernahm. 

Zuletzt hat sich von der Leyen dort gegen schwere Vorwürfe verteidigen müssen. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, fordert eine Kurskorrektur bei der Ausstattung der Truppe. Für das Material der Bundeswehr müsse deutlich mehr Geld ausgegeben werden. Die Verteidigungsministerin habe völlig falsche Akzente gesetzt. Ähnlich äußerte sich der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels. 

Die in Brüssel geborene Ärztin und Mutter von sieben Kindern war vom damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff 2003 als Sozialministerin in die Landespolitik geholt worden. Von 2005 bis 2009 war von der Leyen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dann von 2009 bis 2013 Bundesministerin für Arbeit und Soziales.


Peter Altmaier wird neuer Wirtschaftsminister. Foto: dpa


Peter Altmaier (CDU) - Minister für Wirtschaft und Energie

Peter Altmaier folgt der Kanzlerin durch dick und dünn. Der Saarländer ist Kanzleramtsminister und führt seit dem 24. Oktober 2017 zusätzlich die Geschäfte des Bundesministeriums der Finanzen. Zuvor war der Volljurist Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Er gehört dem Deutschen Bundestag seit 1994 an.

Unter Kanzler Helmut Kohl wäre der heute 58-Jährige nichts geworden. Als junger Abgeordneter kämpfte er zum Verdruss der Partei-Rechten für die Liberalisierung des Staatsbürgerrechts, für die Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren und für die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe.

Er gehörte mit Ronald Pofalla, Norbert Röttgen und Hermann Gröhe zur „Pizza Connection“, die sich Mitte der Neunzigerjahre regelmäßig mit jungen Grünen traf. Im Keller eines Bonner Nobelitalieners schmiedeten die Schwarzen mit den Grünen Cem Özdemir, Volker Beck, Rezzo Schlauch und Steffi Lemke gemeinsame Pläne. Es war Angela Merkel, die 2002 den weitgehend unbekannten Hinterbänkler entdeckte. „Meine Karriere begann“, sagt Altmaier heute, „nachdem sie eigentlich schon zu Ende war.“ Er wurde Justiziar der Unionsfraktion und 2005 parlamentarischer Staatssekretär in dem von Wolfgang Schäuble geführten Innenministerium.

2009 beerbte er dann seinen langjährigen Weggefährten Norbert Röttgen als Fraktionsgeschäftsführer, 2012 auch als Umweltminister. 2013 machte Merkel Altmaier zum Kanzleramtsminister, 2015 zusätzlich zum Flüchtlingskoordinator. Mitte 2017 ließ sie ihn außerdem das CDU-Wahlprogramm schreiben. Und als Wolfgang Schäuble Bundestagspräsident wurde, übernahm Altmaier auch dessen Posten als Chef des Finanzressorts.

Altmaier ist hochgebildet. Er spricht fließend Englisch, Französisch und Niederländisch. Als Saarländer ist er offen – auch für die gute Lebensart. Altmaier hat manches schwierige Problem gelöst – bei einem von ihm zubereiteten Essen in seiner Berliner Altbauwohnung.


Jens Spahn wird neuer Gesundheitsminister. Foto: dpa


Jens Spahn (CDU) - Gesundheitsminister

CDU-Chefin Angela Merkel will ihren Finanzstaatssekretär und Kontrahenten Jens Spahn (CDU) zum neuen Gesundheitsminister machen. Mit ihm hat die Kanzlerin einen ihrer profiliertesten konservativen Kritiker in ihr Kabinett geholt. Jens Spahn bekommt nach sechs Jahren als gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und zweieinhalb Jahren als parlamentarischer Finanzstaatssekretär damit einen Posten im Kabinett. Ihm wurde nachgesagt, im Hintergrund an einem baldigen Ende von Merkels Kanzlerschaft sowie an einer konservativen Wende der CDU zu arbeiten. 

Im November 2015 legte Spahn ein Buch mit dem Titel „Ins Offene“ vor, in dem unter anderen Boris Palmer, Julia Klöckner, Klaus von Dohnanyi, Paul Ziemiak und Markus Söder ihre Sicht der Dinge zur Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 darlegten. Spahn spricht in dem Buch von einer „Disruption des Staates“ und kritisierte in diesem Zusammenhang die Flüchtlingspolitik von Merkel. Der 37-Jährige verwies unter anderem auf die Übergriffe von Migranten am Kölner Hauptbahnhof, auf islamische Mädchen, die nicht am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen, und auf Politiker, die sagen: „Wenn du in deiner Straße nur noch Arabisch hörst, dann musst du eben Arabisch lernen.“ Immer wieder, zuletzt beim Besuch des Wiener Opernballs, suchte Spahn die Nähe zu Österreichs jungkonservativem Kanzler Sebastian Kurz, der für einen harten Flüchtlingskurs steht und scharf gegen die deutsche Kanzlerin Stellung bezog. 

Spahn ist schwul. Wenige Tage vor Weihnachten heiratete er seinen Lebenspartner, den Journalisten Daniel Funke. Verwurzelt ist Spahn im Dorf Ottenstein bei Ahaus im Münsterland, wo er mit zwei Geschwistern aufwuchs, Abitur machte und Bankkaufmann wurde. Spahn trat 1995 in die Junge Union und 1997 in die CDU ein, engagierte sich in Stadtrat und Kreistag. 2003 bis 2017 studierte Spahn neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen und erwarb die akademischen Grade Bachelor of Arts (2008) und Master of Arts (2017). 2012 wurde er unter die „40 under 40 – European Young Leaders“ gewählt.


Julia Klöckner wird neue Agrarministerin. Foto: dpa


Julia Klöckner (CDU) - Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Ein Wort kann Julia Klöckner nicht mehr hören: „Weinkönigin“. Das sei inzwischen ja schon über 20 Jahre her, sagt sie genervt. Tatsächlich hat sich die CDU-Vizechefin inzwischen bundesweit als Politikerin profiliert.

Von 2009 bis 2011 war die Tochter einer Winzerfamilie parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Eine gute Empfehlung für die 45-Jährige, die dort nun den Chefsessel bekommt und den bisherigen CSU-Minister Christian Schmidt ablöst.

In einem Interview hat sich Klöckner bereits ausführlich zur Agrarpolitik geäußert und unter anderem eine Lockerung der Pflanzenschutzvorgaben für den Ökolandbau vorgeschlagen. Außerdem hatte sie mehr Forschung für den Pflanzenschutz und das Tierwohl gefordert.

Klöckner gilt seit Jahren als „Darling“ der Christdemokraten: 2012 war sie mit 92,9 Prozent der Stimmen zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt worden. 2014 wurde sie mit 98,9 Prozent Chefin der CDU Rheinland-Pfalz.


Anja Karliczek wird neue Bildungsministerin. Foto: AFP


Anja Karliczek (CDU) - Ministerin für Bildung und Forschung

Und die Überraschungskandidatin heißt: Anja Karliczek! Eine Diplom-Kauffrau und Betriebswirtin aus Tecklenburg ist die große Unbekannte auf dem CDU-Personalkarussell. Die am 29. April 1971 in Ibbenbüren geborene Mutter dreier Kinder soll auf Wunsch der Kanzlerin das Ministerium für Bildung und Forschung leiten. Erst 2013 zog die Westfälin in den Bundestag ein. Schon 2017 wurde sie parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion. Die Politikerin arbeitete im Finanzausschuss des Parlaments, zuletzt vor allem an der betrieblichen Altersvorsorge und am Lebensversicherungsreformgesetz. Nun wird sie sich neue Politikfelder erschließen müssen. Als Mutter zum Teil schon studierender Kinder ist sie am Thema Bildung ganz nah dran. 

Begonnen hat die 46-Jährige ihre Karriere auf kommunaler Ebene. 1998 trat Karliczek in die CDU ein, wurde Chefin des Stadtverbands Tecklenburg. Von 2004 bis 2014 war sie Mitglied im Rat der Stadt Tecklenburg, zuletzt als Fraktionsvorsitzende. „Wir hatten immer familiäre Unterstützung. Sonst könnte ich meine Arbeit nicht machen“, sagte sie unserer Redaktion vor der Bundestagswahl im letzten Jahr. Ihr Mann arbeitet als Pilot und ist oft unterwegs. „Wir haben immer versucht, einen guten Ausgleich zu schaffen. Die Familie steht bei uns immer an erster Stelle“, betont Anja Karliczek. Deswegen setzt sie sich nach eigenen Worten dafür ein, dass auch andere Kinder und Eltern besonders unterstützt und gefördert werden.


Helge Braun wird neuer Kanzleramtschef. Foto: dpa


Helge Braun (CDU) - Kanzleramtsminister

Sie wolle jenen Chancen geben, die „ihre politische Zukunft noch vor sich haben oder mitten dadrin sind“, sagte Angela Merkel jüngst im ZDF. Einer dieser „Mittendrin“-Kandidaten ist Helge Braun, der Kanzleramtsminister wird. Der 45-jährige Nachfolger von Peter Altmaier ist Narkosearzt. Nach der Bundestagswahl 2013 zog der Christdemokrat, der schon als Jugendlicher politisch engagiert war, als Staatsminister ins Kanzleramt ein. In seinem Büro im fünften Stock sorgt er dafür, dass es bei der Kooperation zwischen Bund und Ländern keine Komplikationen gibt.

Braun gehört also bereits zu Merkels Machtzirkel. Als Kanzleramtsminister soll er nun dafür sorgen, dass der Regierungsapparat reibungslos läuft. Von der Regierungschefin weiß man, dass sie schon länger auf den stets gut gelaunten Wissenschaftler setzt. Die Frage ist: Was haben Narkoseärzte und Kanzleramtsminister gemeinsam? Beide agieren eher unauffällig, beide müssen den Ruhm anderen überlassen. Und doch läuft ohne sie nichts – weder in der Klinik noch in der Politik.


Horst Seehofer wird neuer Innenminister. Foto: AFP


Horst Seehofer (CSU) - Minister für Innen, Bau und Heimat

Hinter Horst Seehofer liegt ein turbulentes Jahr: Im Frühjahr 2017 dachte er noch ans Aufhören. Dann wurde er zum Weitermachen überredet - auch wenn es dazu vielleicht gar keines allzu großen Aufwands bedurfte. Nach dem Bundestagswahl-Fiasko aber wuchs quasi täglich der Druck auf ihn, eines seiner Spitzenämter - Ministerpräsident oder CSU-Chef - zu räumen. Das Ende ist bekannt: Seehofer stimmte einer Ämtertrennung mit seinem ärgsten Rivalen Markus Söder zu, der in Kürze bayerischer Regierungschef werden soll - und holte sich so die Zustimmung für zwei weitere Jahre CSU-Vorsitz.

Und jetzt, jetzt geht Seehofer den nächsten Schritt, von dem er zuletzt immer gesagt hatte, der sei nicht Teil seiner Lebensplanung: Er wechselt noch einmal an den Berliner Kabinettstisch von Kanzlerin Angela Merkel (CDU): als Minister für Innen, Bau und Heimat. 

Tatsächlich hat sich Seehofer damit ein Ministerium der besonderen Art zurechtgezimmert: zuständig für alles von der Inneren Sicherheit bis hin zum ländlichen Raum. Dabei kann der auch so schon auf eine beeindruckende Karriere verweisen: In seinen mehr als 45 Jahren in der Politik hat er viele Schlachten geschlagen. Oft war er es, der seine Gegner in die Ecke trieb und Positionen durchboxte. 28 Jahre im Bundestag, zwölf Jahre als Staatssekretär und Bundesminister, seit 2008 als Partei- und Regierungschef. Auch für die CSU eine ungewöhnliche Ämterfülle. 

Dafür zahlte Seehofer einen hohen Preis: «Ich gehe ständig an die Grenze dessen, was man sich körperlich zumuten kann», sagte er einmal. 2002 erlitt er eine Herzmuskelentzündung, die ihn fast das Leben kostete. Privat habe er kaum Zeit für Freunde, Familie oder Hobbys.

Parteifreunde werfen Seehofer einen bisweilen autokratischen Regierungsstil vor. Für die CSU scheint er aber auch genau deshalb derzeit nicht verzichtbar: Seine bundespolitische Wirkungskraft wird gerne mit der von Franz Josef Strauß verglichen. Diesen Trumpf soll er nun am Kabinettstisch Merkels möglichst oft ausspielen - zumal er ja noch in Personalunion CSU-Vorsitzender bleibt. Ein Jurist ist er übrigens nicht - er nennt sich lieber «Erfahrungsjurist».


Andreas Scheuer wird neuer Verkehrsminister. Foto: AFP


Andreas Scheuer (CSU) - Minister für Verkehr und Digitales

Der Passauer, der seit 2002 im Bundestag sitzt, gilt als einer der wenigen verbliebenen Vertrauten von Seehofer. Als Generalsekretär hat Scheuer nicht nur an der Seite Seehofers den am Ende erfolglosen Bundestagswahlkampf mitverantwortet. Auch während der längsten Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik war Scheuer immer mit von der Partie. Für seine Loyalität wird er nun mit dem Posten des Verkehrsministers belohnt.

Scheuer kennt das Haus bereits, von 2009 bis 2013 war er dort Parlamentarischer Staatssekretär unter Peter Ramsauer (CSU). Der Niederbayer tritt nun die Nachfolge seines Parteifreundes Alexander Dobrindt an, der inzwischen CSU-Landesgruppenchef ist.

Scheuer, Vater einer Tochter, gibt mit seinem Wechsel ins Kabinett seinen Posten als CSU-Generalsekretär ab, den er seit 2013 innehatte. In diesem Amt provozierte er mitunter durch so markige Sprüche, dass sogar die Kirchen den Katholiken kritisierten.


Gerd Müller bleibt Entwicklungsminister. Foto: dpa


Gerd Müller (CSU) - Minister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Bei der Kabinettsbildung 2013 war seine Berufung zum Entwicklungsminister für viele eine Überraschung, immerhin hatte der Schwabe zuvor als Staatssekretär im Bundesagrarministerium bei Landwirtschaftsthemen auf sich aufmerksam gemacht. In der vergangenen Legislaturperiode aber hat sich Müller, der auch von Parteifreunden gerne wegen seiner bisweilen unbeherrschten Art kritisiert wird, im Bereich wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auch außerhalb der CSU und Deutschlands einen Namen gemacht.

Von 1989 bis 1994 gehörte Müller dem Europaparlament an, er war in dieser Zeit Parlamentarischer Geschäftsführer der konservativen EVP-Fraktion. Seit 1994 ist er Mitglied des Bundestages. In der Zeit war er unter anderem außen- und europapolitischer Sprecher sowie Vizechef der CSU-Landesgruppe. Der verheiratete Vater von zwei Kindern darf seinen Ministerposten nun behalten.