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Katarina Barley übernimmt wohl Justizressort Neue Bundesregierung: Hubertus Heil wird Arbeitsminister

Von dpa

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Berlin. Der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Hubertus Heil soll nach dpa-Informationen neuer Arbeitsminister in der künftigen Bundesregierung werden.

Zuvor hatten die „Welt“ und der „Tagesspiegel“ darüber berichtet. Damit läuft es darauf hinaus, dass die bisherige Familienministerin Katarina Barley (SPD) neue Bundesjustizministerin wird.

Wegen der Proporzregelung war hinter den Kulissen heftig gepokert worden. Neben einem Posten für eine ostdeutschen Kandidaten sollten auch die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen je einen Minister bekommen. So war auch Boris Pistorius, Innenminister in Niedersachsen und ehemaliger Osnabrücker Oberbürgermeister, als Kandidat für das Justizministerium in Frage kommen. Er wird nun wohl keinen Ministerposten in der neuen GroKo erhalten.

Hubertus Heil: Wirtschaftsfachmann und gescheiterter Wahlkämpfer

Hubertus Heil gilt als Mittler in der SPD-Fraktion und zählt zu jenen, die zu allen Themen pointiert Stellung beziehen können. Das erkannte wohl auch der einstige SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck, der den gebürtigen Hildesheimer 2005 als Generalsekretär vorschlug. Heil wurde damals mit 61,7 Prozent der Delegiertenstimmen gewählt und verantwortete den Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009.

Allerdings fuhr die SPD mit 23 Prozent damals ihr bis dato schlechtestes Ergebnis ein. Heil musste seinen Posten räumen, erlebte aber 2017 ein Comeback – das in einem noch größeren Debakel endete: Kanzlerkandidat Martin Schulz berief ihn im Juni erneut zum Generalsekretär und Wahlkampfmanager, als Nachfolger von Katarina Barley. Mit 20,5 Prozent rutschte die SPD bei der Wahl im September aber noch tiefer in der Wählergunst. Nach der Niederlage kündigte der Niedersachse seinen Rückzug an, wollte eigentlich Parlamentarischer Geschäftsführer werden – nun wird es sogar ein Ministeramt.

Heil gehört in der SPD dem von ihm mitgegründeten Netzwerk Berlin an, das die pragmatische Mitte der Fraktion repräsentiert. Im Bundestag hat er sich vor allem als Wirtschaftsfachmann einen Namen gemacht. Er war aber auch für die Themen Bildung und Forschung zuständig und hat mit der Union ein Milliarden-Programm für die Wissenschaft geschnürt.

Mit 45 Jahren ist Heil deutlich jünger als der Durchschnitt der Fraktion. Ein altes Eisen ist er im Bundestag dennoch: Der Frühstarter errang 1998 mit 25 Jahren sein erstes Mandat. Hubertus Heil hat Politikwissenschaft und Soziologie studiert. Er ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Katarina Barley (SPD) wird wohl neue Bundesjustizministerin. Foto: dpa

Katarina Barley: Pragmatische Alleskönnerin mit Humor

Charmant und eloquent, dabei hartnäckig, immer gut im Thema und mit Sinn für Humor: Katarina Barley (49) hat sich in Berlin den Ruf einer pragmatischen Alleskönnerin erarbeitet. Dabei mischt Barley, die ihren englisch ausgesprochenen Nachnamen („Barley wie Harley“) ihrem britischen Vater verdankt, seit nicht einmal fünf Jahren in der Bundespolitik mit: 2013 zog sie erstmals für die rheinland-pfälzische SPD in den Bundestag ein.

Aufgewachsen in Köln, macht sie aus ihrer Liebe zum Karneval keinen Hehl. Vielleicht hat ihr das beim Start im Berliner Polit-Zirkus geholfen: Spätestens seit Sigmar Gabriel sie Ende 2015 zur SPD-Generalsekretärin machte, stand Barley im Blickpunkt. Sie kam nicht nur mit ihrem schwierigen Chef überraschend gut klar, ihr fiel auch die Aufgabe zu, den Bundestagswahlkampf 2017 zu organisieren – ein Job, um den sie kaum jemand beneidete. Kurz vor der Wahl übernahm sie dann von Manuela Schwesig das Familienressort, nach der Wahl im Herbst kommissarisch auch noch Arbeit und Soziales. Beides ging Barley trotz der kurzen Frist mit Elan an.


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