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07.03.2018, 16:21 Uhr KOMMENTAR

Freital-Urteil: Kein Lausbubenstreich!

Kommentar von Stefanie Witte

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Osnabrück. Gut so! Nach Ermittlungspannen, Fehleinschätzungen und Verharmlosungen widerfährt den Opfern der „Gruppe Freital“ endlich Gerechtigkeit.

Bei den Attacken der Terrorgruppe handelte es sich eben nicht um „Lausbubenstreiche“, wie es viele Freitaler formulierten. Wer aus Protest mit Sprengstoffanschlägen auf Menschen zielt, Verletzte und Tote in Kauf nimmt oder sie sich sogar wünscht, ist ein Terrorist. Und wer mit Hakenkreuzfahne posiert und es auf Linke und Flüchtlinge absieht, ist ein Nazi.

Das tieferliegende Problem lässt sich jedoch nicht durch ein Gerichtsurteil lösen: In Freital konnten die Straftäter nicht nur unbemerkt, sondern zum Teil getragen von den Sympathien der Bürger agieren. Die Täter teilten menschenverachtende Fotos und Texte – und ihre Freude über das Leid der Opfer – in einem gut besuchten Chat, trafen sich in einer Bar und an einer Tankstelle.

Dennoch glaubte selbst der Bürgermeister, es handele sich nur um eine Handvoll verirrter Jugendlicher und warnte vor Übertreibung. Mit dem Urteil kann das Kapitel Freital nicht abgeschlossen werden. In einem Klima zwischen Verharmlosung und Hass muss jetzt wieder ein Bewusstsein für Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit geschaffen werden.


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