Messe Altenpflege in Hannover Wie sieht die Pflege von morgen aus?

Von Joachim Göres

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Hannover. Die neue Bundesregierung will die Zahl der Pflegekräfte aufstocken und für bessere Arbeitsbedingungen in der Altenpflege sorgen. Dabei spielt auch die Digitalisierung ein Thema. Roboter könnten die neuen Pfleger werden. Auf der Fachmesse Altenpflege präsentieren rund 550 Aussteller noch bis Donnerstag die neusten Produkte und Dienstleistungen für die stationäre und ambulante Altenpflege.

8000 neue Pflegekräfte sollen nach dem Willen der neuen Bundesregierung künftig für bessere Arbeitsbedingungen und eine intensivere Betreuung in den rund 26 000 Einrichtungen und Diensten der Altenpflege sorgen. Für die einen eine deutliche Verbesserung, für die anderen ein Tropfen auf den heißen Stein. Egal, wie die Einschätzung ausfällt, blicken die Aussteller optimistisch in die Zukunft.

Dienstkleidung für Pflegekräfte

Die Clinic & Job Dress GmbH entwirft in Osnabrück Dienstkleidung für Pflegekräfte, die in Osteuropa und Nordafrika hergestellt wird. Zum Angebot gehören rund 1000 Artikel. „Der Trend geht zu mehr Baumwolle und leichterer Kleidung, in der man weniger schwitzt. Der Tragekomfort wird wichtiger und modische Farben wie derzeit Aubergine und Silbergrau sind gefragt“, sagt Teamleiter Michael Pohl. Er sieht die Entwicklung zu immer größeren Heimen kritisch: „Große Häuser leasen häufig die Mitarbeiterkleidung, das machen wir nicht. Uns sind kleine Heime viel lieber.“ 129 Beschäftigte in Osnabrück erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 25 Millionen Euro, Tendenz wachsend.

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Service in Altenheimen immer wichtiger

Heimbewohnern die Haare schneiden – das bietet die Kornet OHG an. Mit mehr als 400 Heimen in Deutschland und Österreich, die regelmäßig besucht werden, ist Kornet nach eigenen Angaben Marktführer in diesem Bereich. „Der Service in Altenheimen wird immer wichtiger und dazu gehört auch die Haarpflege. urch den Bau neuer Heime wächst die Nachfrage nach unseren Diensten, ich rechne für dieses Jahr mit einem Umsatzplus von mindestens zehn Prozent“, sagt Kundenberater Volker Wilmink. In der Unternehmenszentrale Herzlake arbeiten 20 der insgesamt 450 Beschäftigten. Die Friseure sind in Häusern ab rund 100 Bewohnern tätig. „Es gibt einen Trend zu immer größeren Heimen und Betreibern, davon profitieren wir ebenfalls“, so Wilmink.

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Roboter als Pfleger der Zukunft?

Heimbewohner in den Niederlanden dürfen nicht fixiert werden. Dort wurde als Alternative ein Gerät mit Sensor namens Optiscan entwickelt, das so eingestellt werden kann, dass Pflegekräfte automatisch über auffällige Bewegungen der Bewohner informiert werden. In Osnabrück sind fünf Mitarbeiter der Daza Opticare GmbH für den Vertrieb des rund 600 Euro teuren Geräts in Deutschland zuständig. „Wir haben bislang 2000 Heime als Kunden. Viele kennen dieses System noch nicht, man muss deswegen viel erklären. Darum sind wir hier auf der Messe“, sagt Vertriebsleiter Marcus Bernstein und fügt hinzu: „Pfleger fühlen sich durch das System mental entlastet, ihre Reaktionen sind sehr positiv.“

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Pflege-Vollversicherung gefordert

Nach Angaben von Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Musall verdienen Altenpfleger im ersten Berufsjahr laut Tarif 2300 Euro brutto – doch nur jeder vierte Beschäftigte wird überhaupt nach Tarif bezahlt. Angesichts einer steigenden Zahl von Rentnern mit wenig Geld fordert Musall eine Pflege-Vollversicherung – die würde nach einer Studie des Gesundheitsökonomen Markus Lüngen der Hochschule Osnabrück für Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Monat jeweils maximal 15 Euro kosten.


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