Ein Bild von Stefanie Witte
06.03.2018, 17:36 Uhr FEIERTAGSDEBATTE

Reformationstag? Nein Danke!

Kommentar von Stefanie Witte

Geplanter Feiertag: der 31. Oktober. Foto: dpaGeplanter Feiertag: der 31. Oktober. Foto: dpa

Osnabrück. Seien wir doch ehrlich: Die meisten Menschen, die über einen neuen Feiertag in Niedersachsen jubeln, freuen sich vor allem auf zusätzliche Freizeit. Aber muss es unbedingt der Reformationstag sein?

In einer Zeit der Pluralisierung, in der immer weniger Menschen in Kirchen aktiv sind?

Was spricht denn dagegen, ein Datum zu benennen, das nicht an einem Ereignis von vor 500 Jahren hängt, sondern aktuell ist? Der morgige Weltfrauentag wäre ein moderner Feiertag. Zwar herrscht im deutschen Rechtssystem mittlerweile Gleichberechtigung. Es ist aber auch noch viel zu tun. Beispiel: Weniger als ein Drittel der niedersächsischen Abgeordneten sind Frauen. In den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen liegt die Quote sogar wesentlich niedriger. Wenn es um unbezahlte Arbeit in der Familie geht, leisten Frauen nach wie vor mehr.

Bis 1958 verwaltete der Mann den Lohn seiner Frau. Seit 1977 darf sie ohne seine Zustimmung arbeiten. Und erst seit 1997 ist die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. All das wirkt heute nach.

Wie wäre es also mit einem innovativen, säkularen Feiertag? Wenn Männer und Frauen irgendwann vollständig gleichberechtigt sind, kann sich der Tag immer noch in eine Liste von Gedenktagen einreihen und daran erinnern, dass die Hälfte der Bevölkerung noch vor nicht allzu langer Zeit nicht selbstbestimmt leben durfte.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN