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06.03.2018, 16:48 Uhr KOMMENTAR

Kampf gegen Armut: Geld vom Staat ist nicht alles


Kunden der Essener Tafel mit ihren Einkaufstrolleys in der Schlange vor der Ausgabestelle. Fast 1,5 Millionen Menschen beziehen ihre Nahrungsmittel regelmäßig über eine der rund 900 Tafeln in Deutschland. Foto: dpaKunden der Essener Tafel mit ihren Einkaufstrolleys in der Schlange vor der Ausgabestelle. Fast 1,5 Millionen Menschen beziehen ihre Nahrungsmittel regelmäßig über eine der rund 900 Tafeln in Deutschland. Foto: dpa

-gie Osnabrück. Armut in Deutschland ist ein Thema, das in der Politik nur dann Wellen schlägt, wenn etwas Aufsehenerregendes passiert – wie der Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer. Doch einfach nur mehr Geld vom Staat wird das Problem nicht lösen. Ein Kommentar.

Die sozialen Verbände und Initiativen, die nun ein Bündnis gegen die steigende Armut in Deutschland formieren, haben natürlich Recht. Es ist ein Skandal, dass hierzulande fast eineinhalb Millionen Menschen nicht genug Geld haben, um ihre Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen – und deshalb auf die Tafeln angewiesen sind.

Bis jetzt war es ein stiller Skandal, durch die Vorfälle in Essen wurde er öffentlich. Und fiel gleich den Demagogen in die Hände, die zwischen guten (deutschen) und bösen (ausländischen) Bedürftigen unterscheiden möchten. Wer so argumentiert, spielt zwei schwache Gruppen gegeneinander aus. Zu Gunsten der Starken in Politik und Wirtschaft, die das Problem Armut weiter verdrängen können und keinen Grund zu tief greifenden Veränderungen haben.

Doch Armut nur über höhere staatliche Zuschüsse bekämpfen zu wollen, greift zu kurz. Zur Wahrheit gehört auch, dass es weiterhin lohnender sein muss zu arbeiten, als Sozialleistungen zu beziehen. Und: Zu den tief greifenden Veränderungen müssen auch solche gehören, die dafür sorgen, dass Armut gar nicht erst entsteht. Das fängt bei besseren Chancen auf Bildung und Ausbildung für Kinder armer Familien an – und hört auf bei einer Rente, die es Beitragszahlern nach einem vollen Arbeitsleben ermöglicht, ohne Putzstelle oder Nachtwächterjob über die Runden zu kommen.


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