zuletzt aktualisiert vor

„Heimatland“ statt „Vaterland“? Merkel gegen gendergerechte Veränderung der Nationalhymne

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Heimatland? Die Gleichstellungsbeauftragten aus dem SPD-geführten Familienministerium hat vorgeschlagen, die deutsche Nationalhymne gendergerecht umzuschreiben. Foto: dpaEinigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Heimatland? Die Gleichstellungsbeauftragten aus dem SPD-geführten Familienministerium hat vorgeschlagen, die deutsche Nationalhymne gendergerecht umzuschreiben. Foto: dpa

Berlin. „Heimatland“ statt „Vaterland“, „couragiert“ statt „brüderlich“: Ginge es nach der Gleichstellungsbeauftragten aus dem SPD-geführten Familienministerium sollte Deutschland wie Österreich und Kanada seine Nationalhymnen gendergerecht ändern. Angela Merkel ist dagegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht keinen Bedarf für Änderungen am Text der Nationalhymne. Merkel sei „sehr zufrieden“ mit der traditionellen Form der Hymne, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. Seibert bezog sich damit auf einen Vorstoß der Gleichstellungsbeauftragten im Bundesfamilienministerium, Kristin Rose-Möhring.

Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ hatte sie in einem Rundbrief an die Mitarbeiter des Ministeriums vorgeschlagen, künftig statt „Vaterland“ besser „Heimatland“ und statt „brüderlich mit Herz und Hand“ in Zukunft „couragiert mit Herz und Hand“ zu singen. Sie verwies auf ähnliche Änderungen auch in den Nationalhymnen Österreichs und Kanadas. Ein Sprecher des Familienministeriums sagte dazu am Montag, es habe sich um einen „persönlichen Beitrag“ der Gleichstellungsbeauftragten gehandelt.

Kramp-Karrenbauer: Ernsthafte Probleme angehen

Die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hält von dem Vorschlag aus dem Familienministerium „überhaupt nichts“, wie sie am Montag sagte. „Ich habe bisher – und ich gelte ja durchaus als eine emanzipierte Frau – noch nie den Eindruck gehabt, dass ich mit dieser Hymne nicht gemeint wäre oder nicht angesprochen werde.“ Weltweit gebe es eher Rückschritte als Fortschritte beim Thema Frauenrechte, auch in Deutschland müsse man in diesem Zusammenhang ernsthafte Probleme angehen. Als Beispiel nannte sie gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Sie glaube, dass das die Themen seien, um die sich die Politik kümmern solle, „und die Nationalhymne sollte man so lassen, wie sie ist“, sagte Kramp-Karrenbauer.

Althusmann nennt Vorschlag „absurd“

Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann nannte den Vorschlag, die Nationalhymne zu ändern, „absurd“. Das Wort „brüderlich“ könne nicht sinngleich durch „couragiert“ ersetzt werden und „Vaterland“ nicht einfach durch „Heimatland“, urteilte Althusmann. In der deutschen Sprache seien einige Bedeutungen durch feste Begriffe geprägt. „Dazu gehören neben Vaterland auch Muttersprache, Mutter Natur, Mutterboden oder Mutterkonzern.“

Zwei andere Länder haben allerdings ihre Hymnen in jüngerer Vergangenheit gendergerecht geändert. In Österreichs Bundeshymne wurden 2012 aus Bruderchören „Jubelchöre“ sowie aus der Heimat „großer Söhne“ jene „großer Töchter und Söhne“. Das Wort „Vaterland“ blieb jedoch erhalten. In Kanada wurde die „O Canada“ erst Ende Januar in einem Punkt neu gefasst. Der Passus „True patriot love in all thy sons command“ (Erwecke Vaterlandsliebe in all deinen Söhnen) lautet nun „...in all of us command“ (in uns allen).


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN