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05.03.2018, 18:15 Uhr KOMMENTAR

Nun also Bagdad: Oder wie Merkel Trump beschwichtigen will

Kommentar von Michael Clasen

Nun auch Bagdad: Die Bundesregierung plant offensichtlich eine Ausbildungsmission im Zentrakirak. Foto: dpaNun auch Bagdad: Die Bundesregierung plant offensichtlich eine Ausbildungsmission im Zentrakirak. Foto: dpa

Osnabrück. Jetzt also doch Bagdad? Ein wenig verwundert darf man über den geplanten Bundeswehreinsatz im Zentralirak sein. Immerhin war Deutschland ein prominenter Gegner des Irak-Kriegs. Den hatte George W. Bush 2003 unter fadenscheinigen Begründungen angezettelt. Seitdem hat das Gemetzel dort nicht mehr aufgehört.

In den Autonomiegebieten der Kurden im Nordirak sind bereits seit geraumer Zeit Bundeswehrausbilder aktiv. Sie unterstützen die Peschmerga im Kampf gegen den Islamischen Staat. Jetzt soll das Mandat ausgeweitet werden. Zwar fällt der deutsche Einsatz klein aus. Ob eine Fahne der Bundeswehr in einem Militärcamp bei Bagdad weht oder nicht, spielt für die Zukunft des Landes auch keine Rolle. Doch die Symbolik darf nicht unterschätzt werden. Denn alle bisherigen Bundesregierungen unter Kanzlerin Angela Merkel haben sich davor gescheut, sich im Zentralirak zu engagieren. Was sich Bush, aber auch Barack Obama gewünscht hätten, soll nun ausgerechnet unter Donald Trump Realität werden.

Der amtierende US-Präsident hatte versprochen, mehr Druck auf solche Alliierte auszuüben, die viel zu wenig für das Nato-Bündnis leisten. Mit der Bagdad-Mission versucht Merkel offensichtlich, Trump zu beschwichtigen. Zufrieden wird er sich mit dieser Geste aber kaum geben.


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