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05.03.2018, 18:02 Uhr KOMMENTAR

In Italien wirkt das schleichende Gift der Hoffnungslosigkeit

Kommentar von Thomas Ludwig

Matteo Salvini im Glück: Der Parteichef der rechtspopulistischen Lega freut sich angesichts des guten Wahlergebnisses für seine Partei. Foto: L. Bruno/AP/dpaMatteo Salvini im Glück: Der Parteichef der rechtspopulistischen Lega freut sich angesichts des guten Wahlergebnisses für seine Partei. Foto: L. Bruno/AP/dpa

Osnabrück. Kampf der Populisten: Die Fünf-Sterne-Partei und die ausländerfeindliche Lega wollen an die Macht in Rom. Doch es steht eine schwierige Regierungsbildung an. Das Wahlsystem hat nicht für Klarheit, sondern für Chaos gesorgt. Für Europa bedeutet all das nichts Gutes.

Von Italien geht ein Beben aus. Seismografen politischer Befindlichkeiten haben nach der Parlamentswahl europaweite Erschütterungen verzeichnet. Die Wähler der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone haben mehrheitlich rechte Populisten und Europaskeptiker gewählt; sie machen für das wirtschaftliche Elend des Landes nicht vorrangig die Unfähigkeit der politischen und wirtschaftlichen Elite verantwortlich. Sie brandmarken Europa.

Quittung für Europa

Richtig ist: Die EU hat Italien mit dem Flüchtlingsdruck zu lange alleingelassen. Unterstützung in Form eines ordentlichen Lastenausgleichs? Fehlanzeige. Nun kommt die Quittung. Fakt ist aber auch: Jahrzehnte der Misswirtschaft haben Italien in die Pleite geführt. Vor allem junge Menschen sind arbeitslos. Viele gut ausgebildete Italiener wandern aus. Hoffnungslosigkeit zersetzt zunehmend Italiens Gesellschaft. Die Wahl vom Sonntag ändert daran nichts.

Ohne Wachstum keine Besserung

Das Wahlsystem sorgt anstatt für Klarheit für Chaos. Eine schwierige Regierungsbildung steht an. Dabei führt an den Europakritikern der Fünf Sterne und der ausländerfeindlichen Lega kein Weg vorbei.

Rezepte, wie sie Italiens Wettbewerbsfähigkeit in Schwung bringen wollen, bleiben auch sie schuldig. Am Ende könnte es auf Neuwahlen hinauslaufen. Unterdessen: Stillstand, Investitionsstau, Kapitalflucht. Armes Italien. Armes Europa.

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