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05.03.2018, 08:03 Uhr WIE STARK IST BERLUSCONI?

Ein greiser Strippenzieher als Hoffnungsträger - armes Italien!

Kommentar von Thomas Ludwig

Italien hat gewählt. Foto: dpaItalien hat gewählt. Foto: dpa

Osnabrück. Italien hat gewählt. Die Frage ist nun: Wie stark ist Berlusconi? Ein Kommentar.

Es kam, wie von vielen Beobachtern vorhergesehen: Die Sozialdemokraten mussten Federn lassen, rechte und populistische europafeindliche Parteien haben bei der Parlamentswahl in Italien ordentlich Zulauf bekommen. Doch weder für eine einzelne Partei noch für eines der Wahlbündnisse reicht es zur alleinigen Macht. Es steht eine schwierige Regierungsbildung an - zeitweise politische Lähmung wahrscheinlich.

Die Frage ist nun: Wie stark ist Silvio Berlusconis wirklich? Denn der Durchmarsch ist seiner konservativen Forza Italia nicht gelungen, der rechte Bündnispartner Lega wurde stärker als erwartet. Nun wird sich Berlusconi als Strippenzieher einmal mehr beweisen müssen. Immerhin haben Brüssel und Berlin zuletzt auf das politische Stehaufmännchen gesetzt, als immer noch europafreundlichsten Vertreter der italienischen Populisten. Ein 81-jähriger Greis als Hoffnungsträger - armes Italien.

Hitziger Wahlkampf

Der Wahlkampf war hitzig. Einwanderung, innere Sicherheit, die Rolle Italiens in der EU und eine lahmende Wirtschaft, die den vielen - vor allem jungen - Arbeitslosen wenig Hoffnung gibt, waren die beherrschenden Themen. Mit teuren Wahlversprechen haben alle Parteien versucht, die Bürger für sich zu gewinnen. Deren Umsetzung ist jedoch mit erhöhtem Risiko verbunden. Denn Italien ist schon heute hoch verschuldet und hat das Zeug, die Euro-Zone in eine erneute schmerzhafte Krise zu stürzen.

Bei allem Nachwahl-Chaos könnte es schließlich zu einer großen Koalition aus den abgewählten Sozialdemokraten der Partito Democratico von Matteo Renzi und Paolo Gentiloni sowie Berlusconis Forza Italia kommen. Ob diese Konstellation dann sparen und Maß halten wird? Es erscheint zumindest fraglich. Für Europa wäre sie sicher das kleinste Übel.

Trotz aller gravierenden wirtschaftlichen Probleme ist Italien ein politisches Schwergewicht in der EU. Die Parteien, die die neue Regierung in Rom bilden, werden nicht nur die Geschicke ihres Landes, sondern auch das der EU entscheidend mitbestimmen


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