Umstrittener Autor zur Groko Sarrazin: SPD hat auf zentrale Fragen keine Antwort

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Thilo Sarrazin schrieb mit „Deutschland schafft sich ab“ 2010 einen Bestseller. Auch seine nächsten Sachbücher schafften den Sprung auf Platz eins der Verkaufslisten. Foto: dpaThilo Sarrazin schrieb mit „Deutschland schafft sich ab“ 2010 einen Bestseller. Auch seine nächsten Sachbücher schafften den Sprung auf Platz eins der Verkaufslisten. Foto: dpa

Berlin. Thilo Sarrazin ist wohl einer der umstrittensten Politiker in der SPD. Der Mann, der vor allem durch seine Thesen zur Migrationspolitik bekannt wurde, sieht mit dem Ja der Partei zur Groko kein entscheidendes Problem gelöst.

Der frühere Berliner Finanzsenator und umstrittene Bestseller-Autor Thilo Sarrazin (SPD) glaubt nach dem Ja zu einer neuen Großen Koalition nicht an eine schnelle Erneuerung seiner Partei. „Zu den zentralen Fragen der Gegenwart – Fluchtmigration, Einwanderung, Integration und Demographie – hat sie keine zielführenden Antworten, und sie scheint sich für sie auch nicht ausreichend zu interessieren“, sagte Sarrazin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die SPD müsse sich bemühen, „Antworten auf jene Fragen zu geben, die die verloren gegangenen Wähler interessieren, und sie müsste aus diesen Antworten glaubwürdiges Handeln ableiten“, so Sarrazin. Das sehe er derzeit nicht.

„Schulz hat sich selbst erledigt“

Der SPD-Spitze warf Sarrazin vor, versagt zu haben. „Martin Schulz hat sich selbst erledigt“, erklärte er. „Die Probleme der übrigen Führungsgarde ergeben sich daraus, dass sie ihn so lange gewähren ließen. Das wirft einen Schatten auf ihre Standfestigkeit, Glaubwürdigkeit und Kompetenz.“ Trotzdem halte er es für sehr wahrscheinlich, dass die neue Groko die volle Legislaturperiode überstehe. Gerade die SPD könne kein Interesse an Neuwahlen haben, so Sarrazin: Sie sei jetzt „in der traumhaften Situation, dass zwar nur 16 Prozent der Wähler sie noch wollen, aber ihre Repräsentation in der Regierung einer 30-Prozent-Partei entspricht“.

Sarrazin, der auch Vorstandsmitglied der Bundesbank und der Deutschen Bahn war, ist wegen seiner kontroversen Thesen zur Sozial- und Migrationspolitik höchst umstritten. Bereits zwei Mal strengte die SPD ein Parteiordnungsverfahren gegen ihn an, zuletzt 2010 wegen seines Buches „Deutschland schafft sich ab“. Beide Verfahren endeten aber nicht mit einem Ausschluss Sarrazins aus der Partei.


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