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04.03.2018, 17:52 Uhr KOMMENTAR

Angebrachte Aufstockung der deutschen Truppe in Afghanistan

Kommentar von Thomas Ludwig

Schulterpatch der Nato-Mission Resolute Support auf der Uniform eines Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Marmal. Foto: M. Kappeler/dpaSchulterpatch der Nato-Mission Resolute Support auf der Uniform eines Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Marmal. Foto: M. Kappeler/dpa

Osnabrück. Die Bundeswehr sollte längst aus Afghanistan raus sein - eigentlich. Nun will die Bundesregierung die Zahl der dort stationierten Bundeswehrsoldaten aber kräftig aufstocken.

Die neue schwarz-rote Regierung will das Bundeswehrkontingent in Afghanistan aufstocken. Angesichts der Debatte um miserable Ausstattung und mangelhafte Funktionstüchtigkeit der Armee mag das verwundern. Doch nur auf den ersten Blick. Denn Deutschland steht international in der Pflicht, jene Bedingungen austrocknen zu helfen, unter denen islamistischer Terrorismus gedeiht. Als Partner muss Deutschland weltweit verlässlich bleiben.

Wer das Militär in Afghanistan aber aufstockt, räumt damit gravierende Sicherheitsmängel in dem Land ein. Wie das mit dem Fakt zusammen passt, dass deutsche Behörden mehr als die Hälfte der Anträge von Afghanen als Asylberechtigte oder Flüchtlinge ablehnen, bleibt offen.

Aus der prekären Sicherheitslage in Afghanistan erwachsen also zwei Konsequenzen: Für eine verschärfte Abschiebepraxis gibt es keine Spielräume. Und zweitens muss, wer Bundeswehrsoldaten in gefährliche Auslandseinsätze schickt, gewährleisten, dass die Ausrüstung technisch auf der Höhe der Zeit ist und verlässlich funktioniert. Das aber hat die alte Bundesregierung geradezu sträflich vernachlässigt.

Wem der Schutz afghanischer Flüchtlinge am Herzen liegt, darf die Sicherheit deutscher Soldaten vor Ort nicht gleichgültig sein. Daran wird sich die neue Groko messen lassen müssen.

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