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04.03.2018, 16:00 Uhr KOMMENTAR

Armut in Deutschland: Nicht meckern, aktiv werden

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Anstehen für Lebensmittel: Armut in Deutschland sorgt für enormen Zulauf bei den Tafeln, und das schon seit Jahren. Foto: dpaAnstehen für Lebensmittel: Armut in Deutschland sorgt für enormen Zulauf bei den Tafeln, und das schon seit Jahren. Foto: dpa

Osnabrück. Deutschland hat ein Armutsproblem. Allerdings hat es das nicht erst seit dem Moment, als die Essener Tafel entschied, vorerst keine neuen Ausländer mehr aufzunehmen, sondern schon länger. Und statt wie Linke und Grüne nun darüber zu schimpfen, sollten auch sie sich einfach mal überlegen, was dagegen helfen könnte. Ein Kommentar.

Man möchte fast zynisch werden angesichts der aufgeregten Debatte: Deutschland hat ein Armutsproblem? Wirklich? Wer hätte das gedacht, wo wir doch mehr als 900 Tafeln im Land haben! Die im Übrigen nicht nur Anlaufstellen für einige wenige Bedürftige sind, sondern die seit Jahren immer mehr Zulauf bekommen und vielfach überfordert sind. Allein die Zahl der Rentner, die von den Tafeln Lebensmittel bezieht, hat sich zuletzt fast verdoppelt. Dass 2015 und 2016 viele Flüchtlinge hinzukamen, hat die schwierige Situation noch verschärft. Die umstrittene Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine Ausländer mehr aufzunehmen, ist also weder ein Zeichen für Rassismus noch ein „Hilfeschrei“, wie findige linke und grüne Politiker nun hineininterpretieren, sondern schlicht Auswuchs des zunehmenden Verteilungsdrucks.

Dennoch: Linke und Grüne haben recht, wenn sie Armut im Land beklagen. Doch diese Armut ist nicht neu, und daraus nun politisches Kapital schlagen zu wollen, wirkt schäbig.

Statt mit dem Finger auf die Groko zu zeigen, sollten die kleinen Parteien selbst aktiv werden. Schließlich steht es auch ihnen frei, Sacharbeit zu betreiben und Gesetze vorzuschlagen, zum Beispiel solche, die gegen Armut helfen. Das wäre weit glaubwürdiger und hilfreicher als das ewig fruchtlose, ermüdende Gemecker in Richtung Union und SPD.


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