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Blutiger Tag in Afrika Tödliche Angriffe in Kenia, Somalia, Burkina Faso und Nigeria

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AFP/dpa Paris. Radikale Islamisten haben am Freitag in mehreren afrikanischen Ländern Attentate verübt, bei denen dutzende Menschen starben.

Auf dem afrikanischen Kontinent hat es am Freitag mehrere tödliche Angriffe gegeben.

Terrormiliz Al-Shabaab tötet mindestens 23 Menschen in Somalia und Kenia

Bei Angriffen der Terrormiliz Al-Shabaab in Somalia und im benachbarten Kenia sind am Freitag nach Polizeiangaben mindestens 23 Menschen getötet. Unter den Opfern waren demnach auch sieben Kämpfer der militanten Islamisten.

Bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt in Afgoye nordwestlich der Hauptstadt Mogadischu kamen drei Polizisten und drei Zivilpersonen ums Leben, wie Polizeisprecher Mahad Yare erklärte. Bei einem separaten Angriff in Bal’ad nordöstlich von Mogadischu seien drei Polizisten, zwei Zivilpersonen und sieben der Angreifer getötet worden, erklärte der Polizeibeamte Ahmed Nor. Al-Shabaab bekannte sich in einer Radiobotschaft zu beiden Angriffen.

Im Nordwesten des Nachbarlandes Kenia töteten die sunnitischen Extremisten unterdessen am Freitagmorgen fünf Polizisten. Al-Shabaab griff in der Nähe der Stadt Mandera zwei Polizeiwachen an, die nur rund 25 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt liegen, wie ein leitender örtlicher Beamter erklärte. Sicherheitskräfte seien nun am Tatort und untersuchten den genauen Hergang des Angriffs.

Die mit Al-Kaida verbundenen radikalen Islamisten greifen auch immer wieder Ziele in Kenia an. Sie kämpfen im verarmten Somalia seit Jahren für die Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Bei Anschlägen und Angriffen haben sie bereits Tausende Menschen getötet.

Terroranschlag mit mindestens 13 Toten in Burkina Faso

Bei einem Terroranschlag in der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Burkina Faso sind mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen auch sechs Angreifer. Der Angriff richtete sich gegen die Zentrale der Streitkräfte und die französische Botschaft in der Hauptstadt Ouagadougou. Fünf Soldaten seien bei dem Angriff auf den Sitz des Generalstabs der Streitkräfte getötet worden, zwei weitere bei der Botschaft, wie Regierungssprecher Remis Dandjinou am Freitag dem örtlichen Sender „Radio Omega“ sagte. Man könne von einem Terroranschlag sprechen, erklärte er. Ob es auch Opfer unter der Zivilbevölkerung gab, blieb zunächst unklar.

Am Freitagmorgen war im Regierungsviertel der Hauptstadt automatisches Feuer zu hören, etwa aus Maschinenpistolen, wie Reporter berichteten. Vom Gelände des Generalstabs stieg zudem schwarzer Rauch auf, der auf eine Detonation hindeutete. Örtliche Medien sprachen von einer explodierten Autobombe.

Auf dem Gelände waren Ambulanzen zu sehen. Sicherheitskräfte riegelten das Viertel weitgehend ab. Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, sich von dem Stadtviertel in der Nähe des Amtssitzes des Premierministers fernzuhalten. Spezialeinheiten des Militärs kamen zum Einsatz.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verfolge die Lage und werde ständig informiert, hieß es aus dem Élyséepalast. Das Außenministerium habe sofort den Krisenstab einberufen, erklärte Minister Jean-Yves Le Drian. Das Auswärtige Amt forderte Reisende auf, „Bewegungen in Ouagadougou vorerst zu vermeiden, in sicheren Unterkünften zu bleiben und die lokalen Medien zu verfolgen.“ Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, wie die Behörde bestätigte. Das ist bei Fällen im Ausland üblich, in denen Franzosen Opfer oder Ziel waren.

Der Bürgermeister Ouagadougous, Armand Béouindé, sagte der französischen Zeitung „Le Monde“, es handle sich offenbar um einen Anschlag radikalislamischer Dschihadisten. Zunächst bekannte sich jedoch keine Gruppe zu dem Anschlag. Der Sitz des Generalstabs in der Nähe des französischen Kulturinstituts liegt nur knapp zwei Kilometer westlich der französischen Botschaft.

Die frühere französische Kolonie Burkina Faso liegt in Westafrika und grenzt an die Sahelzone. Diese dient mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida oder der Terrormiliz Islamischen Staat (IS) verbundenen Gruppen als Rückzugsgebiet.

Zuletzt waren in Ouagadougou bei einem Anschlag auf ein Restaurant im vergangenen August knapp 20 Menschen ums Leben gekommen. Im Januar 2016 hatten islamistische Extremisten ebenfalls ein beliebtes Restaurant angegriffen, 29 Menschen wurden getötet, etwa 70 weitere teils schwer verletzt.

Die Streitkräfte Burkina Fasos wollen sich an einer bis zu 5000 Mann starken neuen Anti-Terror-Truppe zur Bekämpfung radikaler Islamisten in der Sahelzone beteiligen. Das westafrikanische Land mit knapp 19 Millionen Einwohnern gehört einem UN-Index zufolge zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt der Weltbank zufolge bei 60 Jahren (Deutschland: 81). Fast jedes zehnte Kind stirbt noch vor seinem fünften Geburtstag.

Tote bei massivem Boko-Haram-Angriff auf Militärstützpunkt in Nigeria

Mehr als 100 Kämpfer der islamistischen Terrormiliz Boko Haram haben im Nordosten Nigerias einen Militärstützpunkt angegriffen und mindestens elf Menschen getötet. Die Opfer waren acht örtliche Sicherheitskräfte und drei humanitäre Helfer, wie der UN-Koordinator der humanitären Hilfe in Nigeria, Edward Kallon, am Freitag erklärte. Zudem sei eine Krankenschwester vermutlich entführt worden. Drei weitere Helfer seien bei dem Angriff im Ort Rann im Bundesstaat Borno in der Nacht zum Freitag verletzt worden

Der Angriff, an dem sich nach einer UN-Schätzung bis zu 112 Kämpfer beteiligt hatten, zeigt nachdrücklich, dass die sunnitischen Extremisten weiterhin eine große Bedrohung im Nordosten Nigerias bleiben. Erst vergangenen Monat hatten die Islamisten eine weiterführende Mädchenschule angegriffen und dabei mehr als 100 Schülerinnen im Alter von elf bis 19 Jahren entführt. Die Regierung spricht meist nur von den heldenhaften Siegen des Militärs im Kampf gegen die Islamisten.

In der angegriffenen Kleinstadt Rann leben rund 55 000 Menschen in einem Lager für Binnenflüchtlinge. Primäres Ziel des Angriffs war aber ein Militärstützpunkt. Die Streitkräfte haben sich bisher aber noch nicht zu ihren Verlusten bei dem Angriff geäußert. Nigerianische Medien spekulierten, dass es viele Opfer gegeben habe.

„Helfer riskieren jeden Tag ihr Leben, um bedürftige Frauen, Kinder und Männer zu unterstützen“, erklärte Kallon. Zwei der getöteten nigerianischen Helfer arbeiteten als Koordinatoren in dem Lager für Binnenflüchtlinge für die Internationale Organisation für Migration (IOM), ein Arzt arbeitete für das UN-Kinderhilfswerk Unicef. „Wir verurteilen in aller Stärke diesen Angriff auf selbstlose Helfer, die unter den schwierigsten humanitären Bedingungen arbeiten“, erklärte die Unicef-Direktorin für Westafrika, Marie-Pierre Poirier.

Im Nordosten Nigerias versuchen rund 3000 Helfer die von Boko Haram ausgelöste humanitäre Krise zu bewältigen. UN-Angaben zufolge sind dort etwa fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Rund 2,5 Millionen Menschen sind vor der Gewalt geflohen. Bei Anschlägen und Angriffen der sunnitischen Terrormiliz Boko Haram sind seit 2009 mindestens 20 000 Menschen ums Leben gekommen.


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