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02.03.2018, 15:49 Uhr zuletzt aktualisiert vor ABSTIMMUNG ÜBER GROßE KOALITION

Politthriller im Willy-Brandt-Haus - und das ist erst der Anfang

Kommentar von Uwe Westdörp

Ein Banner mit der Aufschrift „Mitgliedervotum“ prangt an der Fassade des  Willy-Brandt-Hauses in Berlin. Hier werden die Stimmen der SPD-Mitglieder ausgezählt. Am Sonntagmorgen gibt es die Ergebnisse. Foto: dpaEin Banner mit der Aufschrift „Mitgliedervotum“ prangt an der Fassade des Willy-Brandt-Hauses in Berlin. Hier werden die Stimmen der SPD-Mitglieder ausgezählt. Am Sonntagmorgen gibt es die Ergebnisse. Foto: dpa

Osnabrück. Hochspannung vor der Auszählung: Die SPD-Mitgliederbefragung wird weit über die Grenzen Deutschlands hinaus aufmerksam beobachtet. Wie es auch ausgeht - dies ist nicht das Ende notwendiger Veränderungen. Ein Kommentar.

Welch ein Politthriller. Alles ist möglich, der Ausgang ungewiss. Haben die SPD-Mitglieder nun Ja gesagt? Oder gibt es keine Mehrheit für die Neuauflage der Großen Koalition? Muss sich Deutschland gar auf Neuwahlen einstellen?

Die langen Debatten über Jamaika sowie über das Für und Wider der Großen Koalition haben am Ende genervt. Und doch hatten sie auch ihr Gutes. Lange ist nicht mehr so intensiv über Politik gestritten worden. Zudem entfalteten die Diskussionen reinigende Kraft. So hat sich die Union zumindest teilweise neu formiert und die SPD einen Vorsitzenden ausgetauscht.

Das alles ist freilich erst der Anfang. Spööten die SPD-Mitglieder gegen die Groko gestimmt gestimmt haben, stehen bei den Sozialdemokraten Chaostage bevor. Streng genommen müsste die gesamte Parteiführung abtreten, hat sie doch für die Große Koalition gekämpft.

Doch auch wenn die SPD an der Seite der Union bleibt, muss sie weitere Konsequenzen ziehen. Sie braucht endlich eine Führung, die einen klaren Kurs steuert. Auch sollten die Genossen sich fragen, wie nah sie noch dran sind am Alltag der Menschen. Die Bürger erwarten Antworten, wie es weitergehen soll in ihren Städten und Wohnquartieren. Viele fühlen sich verdrängt. Ihre Sorgen ernst zu nehmen, ist genauso wichtig, wie gesellschaftliche Vielfalt und Integration zu fördern.


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