Johann Saathoff spricht im Bundestag Ostfriesischer SPD-Abgeordneter kontert nach AfD-Gesetzentwurf auf Plattdeutsch

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Johann Saathoff (SPD) konterte im Bundestag einen AfD-Antrag zur deutschen Sprache auf seiner „Muttersprache“ Plattdeutsch. Foto: imago/Christian ThielJohann Saathoff (SPD) konterte im Bundestag einen AfD-Antrag zur deutschen Sprache auf seiner „Muttersprache“ Plattdeutsch. Foto: imago/Christian Thiel

Osnabrück. Die AfD sorgt sich um die deutsche Sprache. In einem Gesetzentwurf will sie Deutsch als Landessprache im Grundgesetz festschreiben. Im Bundestag gibt es Gegenwind – ein SPD-Abgeordneter kontert humorvoll auf Plattdeutsch.

Ungewöhnliche Klänge im Bundestag: Der ostfriesische SPD-Abgeordnete Johann Saathoff hat am Freitag nach einem Gesetzentwurf der AfD auf Plattdeutsch gekontert. Damit nahm er Pläne der AfD aufs Korn, Deutsch als Landessprache im Grundgesetz zu verankern.

Der Reihe nach: „Seit Jahren sieht sich die deutsche Sprache einer Verdrängung durch andere Sprachen ausgesetzt“, schreibt die AfD in ihrem Gesetzesentwurf und will deshalb Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz aufnehmen.

„Die deutsche Sprache ist in Gefahr, sie ist in Gefahr durch die Überflutung von Anglizismen“, sagte der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner und sprach von einem „um sich greifenden Englischwahn an den Universitäten“. Die AfD wolle einen Anpassungsdruck herstellen, indem, wie es im Gesetzesentwurf heißt, das staatliche Handeln darauf verpflichtet wird, die deutsche Sprache zum Hauptkommunikationsmedium aller Menschen in Deutschland zu machen.

Connemann: „Kauderwelsch“ und Fremdwörter im Antrag

Gitta Connemann, CDU-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Unterems, sagte, Deutsch sei „Ausdruck unserer Kultur“. Auch die CDU setze sich als Bewahrer der deutschen Sprache ein und habe sich dafür ausgesprochen, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern, sagte Connemann und stieß dahingehend ins gleiche Horn wie die AfD.

Ehe sie differenzierte: „Unserer Fraktion geht es nicht um Deutschtümelei und um Selbstdarstellung, sondern um die Sprache“. Connemann hielt der AfD daraufhin in ihrem Antrag „Kauderwelsch“, Fremdwörter und „Bandwurmsätze“ vor. „Gutes Deutsch weit gefehlt.“

Plattdeutscher Konter

Schließlich holte der ostfriesische SPD-Abgeordnete Johann Saathoff zum humoristischen Gegenschlag aus. „Meine Muttersprache ist Plattdeutsch“, leitete der gebürtige Emder einen mehrminütigen Vortrag mit Teilen auf Plattdeutsch ein. „Düütsland profitiert daarvan, dat wi tosamen wassen int Welt. Tosamen wassen int Welt geiht nur, wenn man sich tegensiedig unnerhollen und verstahn kann“, sagte Saathoff und setzte damit Spitzen gegen die Pläne der AfD. „Sie doon so, as of man hier wat wegnehmen wür, wenn was annes daarto komt.“ Fraktionsübergreifend reagierte das Plenum mit Lachern und Applaus.

Niemand wolle so sprechen, wie man im Mittelalter gesprochen hat. „Sprachen entwickeln sich eben und das ist gut so“, sagte Saathoff auf Hochdeutsch, „die Vielfalt der Sprachen aus den Regionen macht doch den Wert Deutschlands und der deutschen Sprache insgesamt auch aus.“


Im Video: Der Redebeitrag von Johann Saathoff (SPD) ab 41:52 Minuten – Gitta Connemann spricht ab 7:43 Minunten

Mit einem Lächeln wies Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble Saathoff darauf hin, dass er bitte darauf achten solle, dass alle verstehen, was er sage. „Ich möchte mich abschließend ganz herzlich entschuldigen beim Stenografischen Dienst“, schloss Saathoff seinen Vortrag ab, „und besten Dank för dat Tohören, leev Kolleginnen und Kollegen“.

Auftritt verbreitet sich im Netz

Das Video der Rede verbreitete sich am Freitag rasch in den sozialen Netzwerken. Die SPD-Bundestagsfraktion teilte das Video auf ihrer Facebook-Seite und schrieb: „Nur eines tut uns leid: Mit dem Untertiteln des Videos waren wir komplett überfordert.“ Ähnlich ging es den Kollegen der Rheinischen Post, sie untertitelten die Rede auf Facebook: „??? Adfsdag sdsahdlkglk df sgdfgd ...Sorry, wir sind Rheinländer - wir sprechen kein Platt;)“


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