Ein Bild von Lea Becker
01.03.2018, 18:20 Uhr KOMMENTAR

BGH kippt Mordurteil gegen Raser: Richtige Entscheidung

Kommentar von Lea Becker

Die damals 24 und 26 Jahre alten Männer waren vor zwei Jahren mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde über den Kurfürstendamm gerast. Foto. Britta Pedersen/dpaDie damals 24 und 26 Jahre alten Männer waren vor zwei Jahren mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde über den Kurfürstendamm gerast. Foto. Britta Pedersen/dpa

Osnabrück. Sie waren wegen Mordes verurteilt, jetzt hat der Bundesgerichtshof das Urteil gegen zwei Raser, die bei ihrer wilden Fahrt durch Berlin einen Unbeteiligten töteten, aufgehoben. Nach Meinung unserer Kommentatorin die richtige Entscheidung.

Der Bundesgerichtshof hat das deutschlandweit erste Mordurteil gegen Raser aufgehoben. Damit haben es die Richter zwar verpasst, Geschichte zu schreiben und ein deutliches Signal an alle Raser zu senden. Juristisch gesehen, war es aber die einzig mögliche Entscheidung.

Denn die Voraussetzung für ein Mordurteil, nämlich Vorsatz, kann den zwei Männern nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Zwar weiß jeder halbwegs intelligente Besitzer eines Führerscheins, dass ein Auto gefährlich ist und schnell zu einer Waffe werden kann. Aber das bedeutet nicht, auch jemanden damit töten zu wollen. Vorzuwerfen ist den Rasern nur, dass sie mit ihrer wilden Fahrt durch Berlin den Tod eines Menschenlebens billigend in Kauf genommen haben. Aber ihre Selbstüberschätzung, auch mit 170 Stundenkilometern alles im Griff zu haben, reicht als Mordmotiv nicht aus.

Nun können die Raser mit einem deutlich milderen Strafmaß rechnen. Immerhin hat der Gesetzgeber in der Zwischenzeit erkannt, dass fünf Jahre Haft zu wenig sind für ein solches Delikt – und hat als Reaktion auf die Todesfahrt in Berlin das Strafmaß auf bis zu zehn Jahre erhöht. Ob das ausreicht, um zukünftige Raser abzuschrecken, wird sich zeigen.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN