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28.02.2018, 17:31 Uhr KOMMENTAR

Briten sollten über Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen abstimmen

Von Thomas Ludwig


Hat den Entwurf der EU zum Brexit-Abkommen heftig kritisiert: Premierministerin Theresa May. Foto: Pa/PA Wire/dpaHat den Entwurf der EU zum Brexit-Abkommen heftig kritisiert: Premierministerin Theresa May. Foto: Pa/PA Wire/dpa

Osnabrück. London hat mit scharfer Kritik auf den von der EU vorgelegten Entwurf für den Brexit-Vertrag reagiert. Es wird Zeit, dass die britische Regierung den Tatsachen ins Auge sieht - und dem Volk das letzte Wort über eine Austrittsvereinbarung überlässt.

Nun liegt er auf dem Tisch, der Entwurf für einen Vertrag, der die Trennung der Briten von der EU juristisch hieb- und stichfest regeln soll. Überraschungen für die Briten enthält er nicht, alles war politisch vereinbart. Schwarz auf weiß liest es sich aber offenbar anders. Schon fühlt sich London wieder provoziert. Vor allem die Brexiteers glauben nach wie vor, der Austritt wäre zum Nulltarif zu haben. Das ist aber nicht so. Die Regierung hat Erkenntnisse, wonach die Wirtschaft in jedem Fall negative Konsequenzen spüren wird, lange unter dem Deckel gehalten. Und immer mehr Unternehmen klagen über fehlende Fachkräfte, weil EU-Bürger der Insel zunehmend den Rücken kehren. Die Briten müssen den Tatsachen also ins Auge sehen.

Britischer Regierungsstarrsinn

Noch 394 Tage, dann ist die gemeinsame Zeit der Inselbewohner mit jenen des Kontinentes vorbei. Immer noch ist aber offen, wie freund- oder feindschaftlich sich der Austritt gestaltet. Ob es einen geregelten Austritt mit Anschlussvorkehrungen gibt oder eben einen harten Schnitt, mit einem Hauen und Stechen um gegenseitige Zölle, Einfuhrverbote und Regeln für ausländische Arbeitskräfte? Britischer Regierungsstarrsinn gepaart mit einer zur Selbstüberschätzung neigenden europamüden Elite lassen nichts Gutes erwarten.

Warum nur machen die Befürworter eines Verbleibs in der EU nicht endlich ordentlich mobil - und verlangen ein Referendum über die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen. Premierministerin May mag das ja für eine dumme Idee halten. Über den Austritt im Allgemeinen zu befinden war im Sommer 2016 eine gefühlige Angelegenheit. Ein konkretes Szenario abzusegnen wäre etwas anderes – nämlich ein auf Fakten beruhendes Votum, bei dem sich Engländer, Waliser, Schotten und Nordiren nicht für dumm verkauft fühlen müssten. Sie hätten es verdient.

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