Nach Bremer Vorstoß Polizeieinsätze im Fußball: Auch im Ausland Sache der Steuerzahler

Von dpa

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Polizisten versuchen 2014 am Rande des Bundesligaspiels Werder Bremen – Hamburger SV am Weserstadion Fans des Hamburger SV daran zu hindern, zu den Fans von Werder Bremen zu gelangen. Foto: dpaPolizisten versuchen 2014 am Rande des Bundesligaspiels Werder Bremen – Hamburger SV am Weserstadion Fans des Hamburger SV daran zu hindern, zu den Fans von Werder Bremen zu gelangen. Foto: dpa

Bremen/Frankfurt/Berlin. Der Bremer Vorstoß, die Rechnung für Polizeieinsätze an die Fußball-Liga weiterzureichen, wird auch anderswo diskutiert. Ein Streifzug durch Europa zeigt: Die Bundesliga ist mit dem Problem nicht alleine.

Nach dem Urteil des Bremer Oberverwaltungsgerichts gegen die Deutsche Fußball Liga ist in der Bundesliga weiter nicht geklärt, ob die Clubs oder der Ligaverband für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen von den Kommunen zur Kasse gebeten werden können. Die DFL hat Revision angekündigt. Die Entscheidung liegt nun beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Die Kosten für Polizeieinsätze bei Fußball-Spielen bezahlen auch in anderen Ländern zu großen Teilen die Steuerzahler. (Weiterlesen: DFB-Chef Grindel erneuert Kritik zu Polizeieinsätzen)

ENGLAND: In der Premier League müssen die Clubs für Polizei-Einsätze zahlen, aber nur wenn die Ordnungshüter im Stadiongelände eingreifen müssen. Für alle Aktionen außerhalb der Arenen gibt es keine Zahlungsverpflichtung. Londons Bürgermeister Sadiq Khan forderte im vergangenen August Liga-Boss Richard Scudamore schriftlich auf, dass sich die Liga umfassender an den Kosten beteiligen soll. Von zwölf Millionen Pfund habe die Metropolitan Police 9,3 Millionen Pfund (etwa 10,5 Millionen Euro) selbst getragen. Besonders teuer kamen den Steuerzahler laut der Zeitung „Evening Standard“ die Partien von West Ham United im Londoner Olympiastadion zu stehen.

ITALIEN: Seit einer Gesetzesänderung 2014 müssen sich Fußball-Clubs in Italien an den Sicherheitskosten der Spiele beteiligen. Seitdem müssen die Vereine zwischen ein und drei Prozent der Ticketeinnahmen abgeben. Serie-A-Präsident Maurizio Beretta hatte die Regelung als „ungerecht“ bezeichnet. Andere warfen dem damaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, der die Gesetzesänderung nach heftigen Ausschreitungen um ein Pokalfinale angeregt hatte, Effekthascherei vor. „Viele dachten an eine wahrhaftige Revolution“, sagte damals etwa Senator Riccardo Mazzoni.

SPANIEN: In Spanien zahlt der Staat die Polizeieinsätze, die einzelnen Clubs zahlen den privaten Sicherheitsdienst in den Stadien. Es gibt nur eine Art Spende der Fußball-Liga für die Einsätze der Sicherheitskräfte, die aber als sehr klein bezeichnet wird. Es gab immer mal wieder Diskussionen, diese Regelungen zu ändern, was aber bisher nicht passiert ist. Allerdings bringen in Spanien die Clubs bei Auswärtsspielen auch wesentlich weniger Fans mit als etwa in Deutschland oder England, weil die meisten Sitze quasi den Clubmitgliedern gehören.

TÜRKEI: In der Türkei ist der Einsatz von Sicherheitskräften bei Sportveranstaltungen in einem Gesetz geregelt. Professionelle Sportclubs müssen eigenes Sicherheitspersonal beauftragen und bezahlen, um einen geregelten Ablauf des Spiels zu gewährleisten. Die Vereine dürfen allerdings den Staat um Unterstützung bitten. In der Praxis geschieht das vor allem bei brisanten Fußballspielen in der Süperlig oder internationalen Spielen. Vor allem seit dem Terroranschlag in der Nähe des Stadions des Erstligisten Besiktas im Dezember 2016 sind die Sicherheitsvorkehrungen bei Fußballspielen von staatlicher Seite aus sehr hoch.

GRIECHENLAND und ZYPERN: Die Vereine müssen mit den Ordnern und privater Security - die sie selbst bezahlen - für Ordnung sorgen. Die Polizei beobachtet die Lage und greift im Notfall ein. Diesen Einsatz zahlt der Steuerzahler. Es gab hin und wieder Diskussionen, ob die Vereine als private Unternehmen die häufigen Polizeieinsätze bezahlen sollen. Es ist aber bislang bei Diskussionen geblieben.

FRANKREICH: Laut französischem Fußballverband (FFF) sind die staatlichen Stellen für die Sicherheit außerhalb der Stadien, also auf öffentlichem Raum, verantwortlich. Beim Verband verweist man allerdings auf Bestrebungen von örtlichen Präfekturen, den Clubs Rechnungen zu stellen. Das seien aber bisher Einzelfälle. Laut Regionalzeitung „Télégramme de Brest“ vom vergangenen Dezember kippte ein Gericht in Rennes die Rechnung der örtlichen Präfektur für den Club Stade Brestois von rund 11 500 Euro für die Sicherheit um das Spiel gegen PSG von Anfang 2014. Die Präfektur habe sich nicht an die zuvor eingangene Vereinbarung mit dem Club gehalten, die einen deutlich geringeren Betrag vorgesehen hatte, so die Zeitung.

NIEDERLANDE: In den Niederlanden wird der Polizeieinsatz außerhalb der Stadien mit allgemeinen Steuermitteln bezahlt. Die Clubs selbst sind verantwortlich für die Sicherheit und Schutz in den Stadien. „Wir teilen uns die Kosten“, nennt das der niederländische Fußballbund KNVB. Doch gab es vor einigen Jahren eine heftige Debatte, ob die Rechnung nicht an die Vereine geschickt werden sollte. 2013 war dies sogar im Gesetz verankert worden. Das wurde aber nie ausgeführt. Und nur ein Jahr später 2014 wurde die Regelung wieder abgeschafft. Sie sei nicht umzusetzen, erklärten die Kommunen.


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