Nach Urteil aus Leipzig Automobilexperte Dudenhöffer sieht Ende des Diesels näher rücken

Von Johannes Giewald


Osnabrück. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Fahrverboten als weiteren Baustein für das Ende des Diesels. Der Direktor des Center Automotive Research (CAR) an der Uni Duisburg-Essen im Gespräch hat mit unserer Redaktion über die Folgen der möglichen Fahrverbote gesprochen.

Herr Dudenhöffer, welche Auswirkungen hat das Urteil auf die Zukunft des Diesels?

Das Urteil ist ein weiterer Baustein, der zeigt, dass die Zukunft des Diesel-Pkw Vergangenheit ist. Die Autofahrer stehen vor Fahrverboten, die Gebrauchtwagenwerte von Diesel rutschen weiter in den Keller, die Händler stehen vor großen Verlusten, die Autofahrer sind maßlos enttäuscht von den Autobauern, und die Politiker stehen hilflos in der Öffentlichkeit: Alle haben verloren. Die Konsequenz ist, dass die Automobilbranche sich Stück für Stück vom Diesel verabschiedet. Man kann den Diesel mit der Abgasnorm Euro-6d zwar sauber machen, aber das ist im Vergleich zu anderen Antrieben sehr teuer, sprich der Diesel-Pkw verliert auch ökonomisch an Boden. Von daher werden für die Autobauer in Zukunft der Benziner mit dem 48 Volt-Hybrid und das Elektroauto eine wichtige Rolle spielen.

Kann die Autobranche durch das Urteil gegebenenfalls auch gewinnen, indem sie mehr neue Autos verkaufen wird?

Das Urteil ist für die Branche katastrophal. Die Reputation – und die Verluste bei den Händlern sind groß. Die Autobauer werden ihre Händler Stück für Stück mit Subventionen stützen müssen. Investitionen, die in den Diesel gemacht worden sind, amortisieren sich nicht. Es verliert aber auch die Politik in Berlin an ihrer Glaubwürdigkeit. Es verlieren die Kommunen, für die es sehr schwer wird, diese Dinge umzusetzen. Da muss man mit Problemen in der Mobilität rechnen. Gewinner gibt es wirklich keine.

Welche Schlüsse muss die Politik ziehen?

Die Politik muss den Schluss ziehen, dass sie nicht einfach Dinge aussitzen darf. Seit acht Jahren wird die Bundesregierung abgemahnt. Sie hat gar nichts dafür getan. Die Politik muss sich mit den Autobauern zusammensetzen und richtige Dieselgespräche führen, und nicht irgendwelche Märchenstunden als Dieselgipfel verkaufen.

Die Politik muss endlich eine Ausstiegsstrategie aus dem Diesel finden, in der Weise, dass man nicht länger den Dieselkraftstoff steuersubventioniert, sondern Benziner und Diesel gleichstellt und gleichzeitig einen hohen Druck auf Nachrüstsätze legt. Diese Nachrüstsätze kann man den Leuten schenken, wenn man die Dieselkraftstoffsteuer dem Benziner anpasst. Denn dann haben Sie ein Modell mit acht Milliarden Euro Steuereinnahmen jährlich zusätzlich. Und die kann man voll und ganz einsetzen, um die Hardware-Nachrüstung zu bezahlen.

Die Autobauer behaupten, die Umrüstung sei zu teuer. Wie bewerten Sie das?

Das ist falsch. Die Autobauer müssten die Umrüstung auch gar nicht bezahlen, sondern müssen nur die Voraussetzungen schaffen, dass die Fahrzeuge mit Hardwareumrüstung in den Markt kommen dürfen, das heißt, sie neu zertifizieren. Von daher ist es wichtig, dass die Politiker und die Autobauer sich an einen Tisch setzen und gucken, dass so schnell wie möglich Hardwareumrüstungen in den Markt kommen, denn das ist das einzige Instrument, um Dieselfahrverbote immer weniger realistisch werden zu lassen. Nur durch saubere Autos können sie Fahrverbote überflüssig machen.

Was raten Sie jetzt den Autofahrern?

Die Autofahrer sind diejenigen, die die meisten Verluste haben. Wer auf dem flachen Land wohnt und den Diesel hat, kann einfach weiterfahren. Den kümmert es nicht. Wer in einem Belastungsgebiet wohnt und sein Dieselauto noch hat, dem bringt es nichts, wenn er so einen Notverkauf macht, weil die Preise jetzt in den Keller gehen werden. Der muss einfach schauen, dass er andere Möglichkeiten findet, um mobil zu bleiben, wenn die Fahrverbote kommen.