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27.02.2018, 14:03 Uhr KOMMENTAR

Diesel-Fahrverbote? Überflüssig. Konzepte sind besser.

Von Burkhard Ewert


Im Namen des Volkes: Laut Bundesverwaltungsgericht sind Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge dem Grunde nach zulässig, falls Grenzwerte in besonders belasteten Innenstädten anders nicht einzuhalten sind. Foto: dpaIm Namen des Volkes: Laut Bundesverwaltungsgericht sind Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge dem Grunde nach zulässig, falls Grenzwerte in besonders belasteten Innenstädten anders nicht einzuhalten sind. Foto: dpa

Osnabrück. Nur die Ruhe: Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur grundsätzlichen Zulässigkeit von Diesel-Fahrverboten sollte nicht überbewertet werden. In der Praxis wird es kaum Folgen haben. Ein Kommentar.

Zu Fahrverboten dürfte es schon deshalb nicht kommen, weil die Tage mit Überschreitungen der Stickoxid-Grenzwerte fortlaufend sinken, ebenso wie die Messwerte im Allgemeinen. Über Motorupdates und neue Modelle wird sich diese Tendenz ganz automatisch fortsetzen.

Dramatisierung ist daher daneben. Dass das Problem kontinuierlich kleiner wird, nimmt allerdings nicht jeder zur Kenntnis, so wie es auch immer noch Menschen gibt, die aktuelle Dieselmotoren hartnäckig, aber fälschlicherweise mit einer Feinstaubgefahr in Verbindung bringen.

Die Neigung, Fakten zu ignorieren, ist bei Ideologen jeder Art groß. Dazu zählt auch die romantische Verklärung fahrradfreundlicher Verkehrskonzepte. Beispiel Kopenhagen: Kaum eine Diskussion über Fahrradfreundlichkeit kommt ohne Hinweis auf die dänische Hauptstadt aus. Radelnde Berufspendler sausen dort in langen Reihen auf eigenen Fahrspuren dahin. Wunderbar, aber was oft vergessen wird zu sagen, ist: Auch Autofahrer kommen in Kopenhagen vorzüglich voran. Lange Tunnel, vielspurige Zufahrtsstraßen bis ins Herz der Stadt hinein und genügend Parkplätze lassen auch den motorisierten Verkehr angenehm fließen.

Das Beispiel zeigt, was in der deutschen Debatte falsch läuft. Statt sachbezogen auf einen vernünftigen Mix zu dringen, werden Autos pauschal dämonisiert und behindert. Von heute auf morgen sollen sie Mittel eines vermeintlichen Massenmords sein.

Genau diese Art des Diskurses ist es, der die AfD nährt. Doch dirigistische Umerziehung funktioniert nicht. Man muss gar nicht an Landbewohner, Handwerker oder ärmere Autobesitzer denken, die mühsam für ihren Diesel gespart haben. Es genügt, sich vorzustellen, wie es ohne motorisierte Mobilität wäre, wenn es sich einmal nicht mehr behände aufs Rad schwingen lässt, sondern ein dickerer Bauch, entzündete Sehnen oder ein gestörter Gleichgewichtssinn das Radelvergnügen irgendwann einmal verleiden – oder wenn auf einmal noch mehr Menschen in innenstadtnahe Viertel drängen und die Mieten treiben.

Umgekehrt hat das Elektrofahrrad mehr für einen Mobilitätswandel und dessen Akzeptanz bewirkt als 50 Vorschriften, Verbote und öffentlich geförderte Pro-Fahrrad-Kampagnen zusammen – eben weil seine Nutzung einfach, niedrigschwellig, sinnvoll und praktisch ist und beim Nutzen für den Verbraucher ansetzt, der einen persönlichen, unmittelbar auf sich bezogenen Vorteil erkennt. Verbote bedeuten von all dem das Gegenteil. Wer klug ist, wird sie daher vermeiden.

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