Jubel um CDU-Spitzenfrauen Lächeln wie auf dem Siegertreppchen

Von Beate Tenfelde

Zwei Frauen an der CDU-Spitze: Parteichefin Angela Merkel und Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto:AFPZwei Frauen an der CDU-Spitze: Parteichefin Angela Merkel und Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto:AFP

Berlin. Es hat geklappt: Das Kalkül von Parteichefin Angela Merkel ist aufgegangen. Mit 98,87 Prozent der Stimmen hat der Berliner CDU-Parteitag Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Generalsekretärin gewählt. Die 55-Jährige soll den Befreiungsschlag für Merkel organisieren, deren Ansehen bedenklich gesunken ist.

Der Auftakt dafür hätte besser nicht laufen können. Wie zwei Sportlerinnen auf dem Siegertreppchen, die gerade eine Goldmedaille gewonnen haben, winken die beiden Frauen am Ende eines erstaunlich lebendigen Parteitags den jubelnden Delegierten zu. Dabei liegt die eigentliche Herausforderung noch vor Merkel und Kramp-Karrenbauer: Sie müssen den Nachweis führen, dass die CDU nicht ihren „Markenkern“ verliert, wenn sie in einer erneuten Groko viele Bedingungen der deutlich schwächeren SPD erfüllt. Gestern votieren 975 Delegierte mit einem Ja für das schwarz-rote Bündnis, nur 27 sind dagegen. Ein großer Vertrauensvorschuss, weil die SPD erst am nächsten Sonntag entscheidet, ob sie überhaupt will.

Fremdbestimmt und daher unwohl – so fühlt sich mancher in der CDU angesichts des offenen SPD-Votums. Es liegt wie ein Schatten über allem. Mag sein, dass dies die innere Einheit stärkt. Von 100 -Prozent-Ergebnissen weit entfernt ist normalerweise die CDU, solche Voten werden gern als „sozialistisch“ abgetan und haben seit dem Höhenflug und Fall des SPD-Chefs Martin Schulz zusätzlich einen bösen Ruch.

Aber auch Kramp-Karrenbauer kommt dieser Marke nahe. Sie setzt nach der nüchternen Rede von Merkel auf Ermutigung und aufrüttelnde Appelle. Immer wieder von Beifall unterbrochen wird die Noch-Ministerpräsidentin, deren unerwartete Leidenschaft manches Vorurteil gegen die „Landrätin von der Saar“ widerlegt. Die rund 1000 Delegierten beklatschen ihren Auftritt. Sie stehen dazu auf, ohnehin ist das Parteivolk zu Ovationen aufgelegt.

Balsam für die Seele

„Der Star ist die Mannschaft, der Star ist die CDU“, ruft Kramp-Karrenbauer. Das ist Balsam für die Seele der Christdemokraten, die sich oft nur als „Abnickverein“ fühlen mussten und hernach dafür auch noch verspottet wurden. Die CDU müsse über ein neues Grundsatzprogramm diskutieren, das bis 2021 verabschiedet werden solle, schürt die Saarländerin Diskussionsfreude. Dies werde der Hauptarbeitsschwerpunkt für die kommenden Jahre werden. Das bisherige Programm stammt von 2007. Es werde dabei aber nicht das Motto gelten: „Die Partei diskutiert, die Regierung regiert“, verspricht Kramp-Karrenbauer. Sie werde in den nächsten Wochen und Monaten in den Parteigliederungen zunächst zuhören. Die 55-Jährige tritt die Nachfolge von Peter Tauber an, der seit Dezember 2013 Generalsekretär war. Er hatte sich nicht mehr zur Wahl gestellt. Als Parteichefin Merkel ihm dankt, gibt es kurzen Applaus. So schnell gehen Karrieren zu Ende.

Ganz bitter spüren dies auch die Noch-Minister Thomas de Maizière und Hermann Gröhe. Mit 64 und 57 Jahren haben sie gerade erlebt, wie schnell man zum alten Eisen wird. Als Merkel auch ihnen dankt, steht das Parteivolk auf und applaudiert minutenlang. De Maizière, der als Chef des Innenressorts wegen Merkels Flüchtlingspolitik vieles abwettern musste, zeigt ein unbewegtes Gesicht und gibt dann aber zu Protokoll: „Ich gehe als stolzer und dankbarer Bundesminister und bleibe ein stolzer und fröhlicher Christdemokrat.“ In Gröhes Miene spiegelt sich Traurigkeit, aber zum Schluss lächelt der ausscheidende Gesundheitsminister doch. „Natürlich hätte ich diese Arbeit gerne fortgesetzt. Aber ein Ministeramt ist stets ein Amt auf Zeit. Meinem Nachfolger wünsche ich alles Gute“, lässt er wissen.

Sein Nachfolger ist Jens Spahn, der schärfste Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik. Doch gestern auf dem Parteitag springt er ihr beherzt bei und wirbt für ein Ja zur Großen Koalition. Die Union müsse Vertrauen zurückgewinnen, indem sie die Inhalte des Koalitionsvertrags nun umsetze. „Ich möchte, dass wir uns klar abgrenzen von denjenigen, die als Funktionäre, als Abgeordnete der AfD mit Ressentiments, mit Rassismus, mit der Leugnung des Holocaust unterwegs sind.“ Mit denen habe die Union nichts gemein, sagt Spahn. „Mit denen wollen wir nicht koalieren, die wollen wir nicht akzeptieren, wir wollen sie überflüssig machen.“