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26.02.2018, 18:13 Uhr PARTEITAG BEFÜRWORTET GROKO

Die plötzlich leidenschaftliche CDU

Von Beate Tenfelde


Das Spitzenduo der CDU: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Parteichefin Angela Merkel. Foto:AFPDas Spitzenduo der CDU: Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Parteichefin Angela Merkel. Foto:AFP

Berlin. Jetzt fehlt nur noch das Ja der SPD: Die CDU hat mit überwältigender Mehrheit für eine neue Große Koalition gestimmt. Auf einem Parteitag votierten am Montag in Berlin nur 27 der knapp 1000 CDU-Delegierten gegen das Regierungsprogramm, das auch die CSU bereits abgesegnet hat. Kanzlerin Angela Merkel warb eindringlich für das Bündnis. Zur neuen Generalsekretärin wurde Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt. Ein Kommentar.

Neue Dynamik und leidenschaftliches Ringen bei der CDU. Die Partei hat sich am Zweifel-Keim angesteckt, sie war wohl zu eng mit der SPD zusammen. Jetzt wollen die Christdemokraten reden. Einige tun sich schwer mit der erneuten Großen Koalition, die in ihrem Vertrag viele sozialdemokratische Akzente setzt und die möglicherweise dennoch nicht von der SPD-Basis gebilligt wird. Auch mit dem Verlust des Finanzressorts können sich manche nicht abfinden.

Dieser Frust musste raus. Die knapp 1000 Delegierten des Berliner Bundesparteitags nutzten es weidlich, dass sich ihnen dafür erstmals Gelegenheit bot. In früheren Zeiten – in den besseren der Parteichefin Angela Merkel – wurden Koalitionsverträge einfach durchgewinkt. Das ist endgültig vorbei. Der Geist ist aus der Flasche, und auch die einst folgsame Union findet Lust an der Debatte. Die bringt am Ende ein überwältigendes Ja zur Großen Koalition.

975 Befürworter gegen 27 Zweifler, die mit Ruppigkeit Masse vortäuschten. Das Profil eines abgefahrenen Reifens bescheinigte ein Delegierter aus Baden-Württemberg der Union. Das ist unfair gegen eine Vorsitzende, die gerade sehr couragiert die Führungstruppe auf jung und weiblich umgekrempelt hat. Und das ist eine Herausforderung an die neue Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, für die vorab schon Lorbeerkränze gewunden wurden. Gut ist: Jens Spahn – der Geist, der stets verneint – fällt als Widersacher aus. Merkels Plan ging auf: Der frisch bestellte Gesundheitsminister schlug sich mit Leidenschaft auf ihre Seite und schwor den Parteitag auf ein Ja zur Groko ein. Ganz neue Allianzen?


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