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26.02.2018, 16:49 Uhr KOMMENTAR

Öffentlicher Dienst: Tarifparteien überraschend streitlustig

Von Uwe Westdörp


Begleitet von Demonstrationen haben in Potsdam die Tarifverhandlungen für die 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen begonnen,. Foto: dpaBegleitet von Demonstrationen haben in Potsdam die Tarifverhandlungen für die 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen begonnen,. Foto: dpa

Osnabrück. Zum Start der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst sind die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaften überraschend hart aufeinandergeprallt. Dabei sind die Voraussetzungen für die Gespräche eigentlich denkbar günstig. Ein Kommentar.

Selten waren die Bedingungen vor Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst so günstig: Die Wirtschaft brummt. Die Steuerquellen sprudeln. Die staatlichen Kassen verzeichnen milliardenschwere Überschüsse. Kurzum: Ein deutliches Lohnplus ist angebracht und finanzierbar. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail.

Problematisch ist vor allem die von den Gewerkschaften geforderte Anhebung der Tarife um einen Mindestbetrag von 200 Euro. Das bedeutet für niedrige Entgeltgruppen ein Plus von bis zu zehn oder sogar elf Prozent. Solche Forderungen sind überzogen und fragwürdig – vor allem, weil sie Nebenwirkungen haben könnten. Schließlich besteht stets die Möglichkeit, Dienstleistungen zu privatisieren oder auszugliedern, wenn sie anderswo günstiger zu bekommen sind.

Trotzdem könnte sich gerade dieser Punkt als Stolperstein erweisen. Sogar von Warnstreiks ist bereits wieder die Rede. Man kennt so etwas. Es gehört zum üblichen Tariftheater. Es ist gleichwohl enttäuschend, dass Bürger und Steuerzahler nicht einmal in wirtschaftlich guten Zeiten darauf hoffen dürfen, von nervenden Tarifritualen und Arbeitsniederlegungen verschont zu bleiben. Die Festtagslaune, die Ökonomen in der Wirtschaft ausgemacht haben, könnte dadurch getrübt werden. Ein Ende der Party bedeutet das aber nicht.


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