Seelsorge bei der Truppe Zentralrat der Muslime fordert Imame in der Bundeswehr

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Der Zentralrat der Muslime fordert muslimische Militärseelsorger für die Bundeswehr. Foto: dpaDer Zentralrat der Muslime fordert muslimische Militärseelsorger für die Bundeswehr. Foto: dpa

Osnabrück. Rund 1500 Muslime leisten in der Bundeswehr ihren Dienst. Seit sechs Jahren wird über den Einsatz von muslimischen Militärseelsorgern in der Truppe diskutiert, auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wollte das Thema prüfen. Passiert ist nichts. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, spricht von einer Schande.

Mazyek sagte unserer Redaktion: „Es ist eine Schande, dass wir in Deutschland nach so vielen Anläufen und Anstrengungen über fast sechs Jahre nicht mal einen dringend benötigten muslimischen Militärseelsorger installieren konnten.“ Auch der Zentralrat der Muslime habe sich immer wieder dafür eingesetzt. Mazyek kritisierte, dass „die Politik jedes Mal Bürokratie als Grund dafür vorschiebt.“ Dies sei sinnbildlich der Stand der Institutionalisierung des Islam.

Seit Jahren prüft Ministerin diese Forderung

Bereits vor Jahren hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigt, den Bedarf an Imamen in der Truppe zu prüfen und zu klären, wie deren Einsatz organisiert werden kann. Die Bundeswehr hat traditionell katholische und evangelische Militärbischöfe und -pfarrer, die den Soldaten unter anderem im Einsatz geistlichen Beistand leisten. Über die Zahl der Muslime in der Bundeswehr gibt es keine verlässlichen Angaben, da die Soldaten ihre Religionszugehörigkeit nicht angeben müssen. Schätzungsweise rund 1500 muslimische Soldaten, die an verschiedenen Standorten arbeiten, gehören zur Truppe - insgesamt hat die Bundeswehr knapp 179 000 Soldaten. Mazyek sagte: „Die Bundeswehr ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und solch ein Schritt hätte eine starke integrationspolitische Signalwirkung.“

Kritik vom Wehrbeauftragten

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels hatte in seinem Jahresbericht kürzlich die Bundesregierung wegen ihrer Untätigkeit bei diesem Thema kritisiert. In dem Bericht schreibt der Wehrbeauftragte: „Nach mehr als sechs Jahren des ergebnislosen Prüfens macht sich langsam Ernüchterung breit.“ Bartels verweist darin auf Angaben der Zentralen Ansprechstelle für Soldatinnen und Soldaten anderer Glaubensrichtungen, wonach 60 von insgesamt 117 Anfragen im Jahr 2017 von muslimischen Soldaten stammten. Zudem hatten Muslime beklagt, dass es schwierig sei, Essenvorschriften und Gebetszeiten einzuhalten.

Der Wehrbeauftragte nennt als Vorbild Österreich, wo das Bundesheer inzwischen über zwei Militär-Imame verfügt. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Mazyek, sagte: „Völlig zurecht hat der Wehrdienstbeauftragte diesen längst überfälligen Schritt moniert und in seinem Bericht kritisiert.“


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