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23.02.2018, 16:17 Uhr KOMMENTAR

Tafel-Aufnahmestopp für Ausländer: Das kleinere Übel

Von Stefanie Witte


Die Essener Tafel will keine nicht-deutschen Kunden mehr aufnehmen. Foto: dpaDie Essener Tafel will keine nicht-deutschen Kunden mehr aufnehmen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Fall lädt zu Schwarz-Weiß-Denken ein wie kein anderer: Die Tafel in Essen will vorübergehend nur noch Deutsche neu aufnehmen und damit dem großen Anteil an jungen männlichen Flüchtlingen entgegenwirken. Rechtspopulisten dürften jubeln. Simple Deutungen führen jedoch in die Irre.

Ja – die Tafel diskriminiert. Sie schließt Menschen aufgrund ihrer Nationalität aus. Ein krasser Entschluss, zu dem sich die Ehrenamtlichen gezwungen sahen. Dahinter steckt aber kein Fremdenhass. Ausländer, die bereits eine Karte für die Essensausgabe haben, dürfen weiterhin kommen.

Das Argument, ältere Damen fühlten sich abgeschreckt, lässt jedoch nicht automatisch den Schluss zu, Ausländer künftig ausschließen zu müssen. Zumal die Störenfriede dadurch nicht aus dem Verkehr gezogen werden. Und was ist mit der jungen Flüchtlingsmutter, die von der Entscheidung ebenso betroffen ist, obwohl sie nicht stört?

Die Frage ist vielmehr: Sind alle, die hier für Lebensmittel anstehen, von schlimmer Armut betroffen? Oder hat sich die Tafel zu einem Baustein in der Flüchtlingsversorgung entwickelt, für die der Staat zuständig wäre? Danach sieht es aus. Die Tafel hätte auch nichts tun oder alle Flüchtlinge ausschließen können. So ist die getroffene Entscheidung wohl noch die effektivste unter vielen falschen. Immerhin ist das Problem nun öffentlich.


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