Nach Ausländer-Beschränkung Kritik aus Niedersachsen an Essener Tafel

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Nach dem Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel hagelt es Kritik an der Entscheidung des Vereins. Foto: Roland Weihrauch/dpaNach dem Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel hagelt es Kritik an der Entscheidung des Vereins. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Osnabrück. Der Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel ist auf scharfe Kritik gestoßen. Der Chef der Tafeln in Niedersachsen und Bremen lehnte ein solches Vorgehen klar ab. Auch die Tafeln in Osnabrück und Delmenhorst zeigen Unverständnis.

„Das widerspricht eigentlich den Grundsätzen der Tafeln“, sagte Manfred Jabs, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Niedersachsen und Bremen. Mit der Beschränkung würde eine Gruppe diskriminiert werden. Es müssten andere Wege gefunden werden. Ähnliche Vorgehensweisen aus seinem Landesverband sind ihm nicht bekannt. „Wir haben keine Tafeln in Niedersachsen und Bremen, die sagen: Wir geben nur an Deutsche aus“, sagte Jabs. Alle Kunden würden gleich behandelt.

So sieht es auch der Vorsitzende der Osnabrücker Tafel, Hermann Große-Marke. „Der Hunger ist bei allen da, egal ob Deutscher oder Ausländer. Der unterscheidet nicht nach Herkunft“, sagte Große-Marke auf Anfrage unserer Redaktion. In Osnabrück seien sie zudem in der glücklichen Lage, viel Lebensmittel zur Verfügung zu haben. „Für uns stellt sich das Problem gar nicht, eine Beschränkung einführen zu müssen“, so der Vorsitzende.

Auch bei Walburga Bähre, Vorsitzende der Delmenhorster Tafel, stößt das Vorgehen der Essener Tafel auf Unverständnis. „Wir machen hier keinen Unterschied. Bedürftig ist bedürftig.“ Jedem, der zur Delmenhorster Tafel käme, würde geholfen werden, egal welcher Herkunft. Vor zwei Jahren hätten alle Tafeln Probleme gehabt mit dem großen Zulauf der Flüchtlinge. Damals musste Bähre, die mit 45 Mitarbeitern rund 3400 Bedürftigen hilft, auch öfters die Polizei rufen. „Mittlerweile hat sich das gelegt“, berichtet die Vorsitzende. Sie bemängelt allerdings die Mentalität einiger Ausländer und ihren fehlenden Willen zur Anpassung. „Wir sind keine Vollverpflegung, wo man sich nur das nehmen kann, was man will. Sie sollten auch mal etwas Neues probieren wollen“, sagt Bähre. Oft seien die schlechten Deutschkenntnisse ein Problem, das Grundprinzip der Tafeln zu vermitteln.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Essener Tafel derzeit abgesehen von den bisherigen Kunden vorerst keine weiteren Migranten neu in ihre Kartei aufnimmt. Aufgrund der Flüchtlingszunahme sei der „Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen“, heißt es auf der Internetseite der Hilfsorganisation zur Begründung. Die Einrichtung sehe sich gezwungen, „um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen“.

Nach Angaben des Vorsitzenden Jörg Sartor hätten sich gerade ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, bei denen er teilweise auch „mangelnden Respekt gegenüber Frauen“ beobachtet habe.

Die Tafeln bewahren Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilen sie an Bedürftige. Die Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen und dies nachweisen. Insgesamt gibt es in Deutschland 937 Tafeln, die etwa 1,5 Millionen Bedürftige unterstützen.

(mit dpa)


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