Der Zorn der Überlebenden Schülerprotest gegen laxes Waffenrecht setzt US-Politik unter Druck

Von afp

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Miami/Washington. Sie haben ein schreckliches Blutbad überlebt. Doch das Trauma lässt sie nicht erstarren, sondern treibt sie auf die Straßen.

Die jungen und zornigen Überlebenden des Schulmassakers von Florida haben binnen weniger Tage eine Graswurzelbewegung ins Leben gerufen, welche die US-Politik unter Druck setzt - eine Bewegung gegen die lockeren Waffengesetze und die mächtige Waffenlobby NRA.

„Ihr seid entweder mit uns oder gegen uns“, lautet die Kampfansage des 17-jährigen Cameron Kasky an die Politiker. In der Protestbewegung unter dem Schlagwort „#NeverAgain“ (Nie wieder) geht es nach seinen Worten um die nackte Existenz: Die Demonstranten „betteln“ um ihre Leben, sagte der Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, wo ein 19-Jähriger mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen erschoss. Die Schüler planen für den 24. März einen „Marsch für unsere Leben“ in Washington, der von ähnlichen Demonstrationen im ganzen Land begleitet werden soll. Diverse Prominente der Unterhaltungsbranche unterstützen die jungen Aktivisten – nicht nur moralisch, sondern teils auch finanziell. Schauspieler George Clooney, Regisseur Steven Spielberg und Talk-Queen Oprah Winfrey sagten Spenden von je einer halben Million Dollar zu.

Die Bewegung bringt die Politiker bereits jetzt in Zugzwang – und ein paar Erfolge hat sie auch schon erzielt. Präsident Donald Trump stellte am Mittwoch bei einem Treffen mit Parkland-Schülern im Weißen Haus verschärfte Überprüfungen von potenziellen Waffenkäufern in Aussicht – wie belastbar diese Zusage ist, bleibt freilich abzuwarten. Schon zuvor hatte Trump ein Verbot von „bump stocks“ angekündigt; dies sind Aufsatzvorrichtungen, die halbautomatische in vollautomatische Gewehre umfunktionieren. Doch einen Rückschlag hat die junge Protestbewegung auch schon verkraften müssen.

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Eine Reise der Parkland-Schüler nach Tallahassee, die Hauptstadt des Bundesstaats Florida, blieb ohne greifbare Ergebnisse. Das Regionalparlament zeigte sich ungerührt von ihren Tränen und Brandreden – und schmetterte einen Vorstoß für ein Verbot von Sturmgewehren mit klarer Mehrheit ab.

Die Schüler aus Parkland werden sich jedoch wohl nicht leicht kleinkriegen lassen. Ihre aus gut situierten Familien stammenden Wortführer sind selbstbewusst, redegewandt und wohlorganisiert. Sie verstehen es, die sozialen Medien für ihre Mobilisierungskampagne zu nutzen. Und sie orientieren sich in ihrer Organisationsarbeit an der Massendemo für die Frauenrechte, die kurz nach Trumps Vereidigung in der Hauptstadt stattfand. Einige der Schüler sind bereits zu landesweiter Berühmtheit gelangt. Cameron Kasky erfand den „#NeverAgain“-Slogan. Der 17-jährige David Hogg filmte noch während des Massakers Interviews mit Mitschülern, mit denen er sich in einem Schrank versteckt hatte. Und die 18-jährige Emma Gonzalez hielt eine Rede unter Tränen, die großen Widerhall fand. Darin prangerte sie Politiker an, die NRA-Spenden angenommen haben: „Schande über Euch!“ rief sie aus.

Verschwörungsvorwürfe von Rechts

Der Preis der Berühmtheit ist, dass die Jungaktivisten zum Objekt einer Gegenkampagne aus der ganz rechten Ecke geworden sind. Wilde Verschwörungstheorien kursieren, die Teens seien bezahlte Schauspieler, ihre Geschichten erfunden, sie würden von linksgerichteten PR-Experten gecoacht. Besonders hart angegriffen wird Hogg - weil er der Sohn eines früheren FBI-Beamten ist. Der von ultrarechten Medien gestreute Verdacht lautet, der 17-Jährige werde von der Bundespolizei benutzt, um von ihrem Versagen im Vorfeld des Parkland-Massakers abzulenken. Das FBI hatte im Januar einen Warnhinweis auf den späteren Todesschützen Nikolas Cruz ignoriert.

Er sei kein Schauspieler und handle nicht „im Auftrag von irgendjemanden“, konterte Hogg die Verschwörungstheorien. Im Interview mit dem Sender CNN machte er er auch deutlich, dass der Protest sein persönliches Trauma nicht bannt: Er habe das Blutbad durchlebt - „und ich werde dies weiter tun müssen“.


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