Angebliche SPD-Schmutzkampagne „Titanic“-Redaktion will „Bild“ reingelegt haben

Von Lorena Dreusicke

Das Satiremagazin „Titanic“ behauptet, die Titelgeschichte der „Bild“-Zeitung von vergangenem Freitag beruhe auf Falschmeldungen aus der „Titanic“-Redaktion. Screenshot: NOZ/Twitter/@titanicDas Satiremagazin „Titanic“ behauptet, die Titelgeschichte der „Bild“-Zeitung von vergangenem Freitag beruhe auf Falschmeldungen aus der „Titanic“-Redaktion. Screenshot: NOZ/Twitter/@titanic

Osnabrück. Deutschlands größte Tageszeitung „Bild“ hat vergangene Woche über eine angebliche Schmutzkampagne in der SPD berichtet und den vermeintlichen Mailverkehr des Juso-Chefs Kevin Kühnert veröffentlicht. Das Satiremagazin „Titanic“ behauptet nun, es stecke hinter den Mails.

Es gebe eine Schmutzkampagne bei der SPD, titelte die „Bild“-Zeitung am vergangenen Freitag. Im Bericht ist von einem „brisanten“ Mailverkehr die Rede, der dem Blatt zugespielt worden sei. Darin bietet offenbar ein russischer Internet-Troll namens Juri Juso-Chef Kevin Kühnert Hilfe bei der „No-Groko“-Kampagne an. Weil es jedoch keine Beweise für die Echtheit der Mails gab – wie sogar der „Bild“-Autor im letzten Satz zugibt – war die Berichterstattung harsch kritisiert worden. Kühnert bestritt gegenüber „Bild“, dass die Mails von ihm stammen.

Am Mittwoch verkündete das Satiremagazin „Titanic“ auf seiner Website, der Urheber des Mailverkehrs zu sein. Als einer der Verantwortlichen outete sich Redakteur Moritz Hürtgen. Sein Büro habe die journalistische Qualität der Boulevardzeitung überprüfen wollen: „Eine anonyme Mail, zwei, drei Anrufe – und ‚Bild‘ druckt alles, was ihnen in die Agenda passt.“

Um seine Behauptung zu untermauern, veröffentlichte „Titanic“ sowohl den mutmaßlich gefälschten Mailverkehr als auch die angebliche Antwort der „Bild“-Redaktion, die sich bei dem Informanten bedankt. Auf Twitter bekräftigt Hürtgen, sein Bericht sei wahr.

Wie viel Wahrheit in der Aussage des Satirikers steckt und ob die „Titanic“ tatsächlich der vermeintliche „Bild“-Informant ist, ist streitbar und bleibt daher fraglich.

Die „Bild“-Zeitung verteidigt in einem Statement ihre Berichterstattung: „Die Echtheit der uns anonym zugestellten E-Mails haben wir immer deutlich infrage gestellt und journalistisch eingeordnet.“ Auslöser für den Bericht sei die Ankündigung der SPD gewesen, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. „Wir sind gespannt, ob die SPD diese nun gegen Titanic richten wird.“

Warum #miomiogate?

Der Hashtag #miomiogate bezieht sich auf einen Abschnitt im besagten Mailverkehr. Angeblich fragte Juso-Chef Kevin Kühnert den Internet-Troll Juri zur Identitätsprüfung nach dem Lieblingsgetränk des gemeinsamen Bekannten: Mio Mio Mate Ginger.

Kühnert nahm den vermeintlich enthüllten Kampagnenjournalismus gegen seine Partei offenbar gelassen auf. Er meldete sich auf Twitter mit dem Kommentar: „Einfach genießen. #miomiogate“