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20.02.2018, 17:40 Uhr KOMMENTAR

Das westliche Schweigen zum Angriff der Türkei auf syrische Kurden ist beschämend

Kommentar von Thomas Ludwig

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan inszeniert sich als Friedensbringer - ausgerechnet mit Kindern in Soldatenuniform als Kulisse. Foto: ImagoDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan inszeniert sich als Friedensbringer - ausgerechnet mit Kindern in Soldatenuniform als Kulisse. Foto: Imago

Osnabrück. Syrische Regierungstruppen rücken in die Region Afrin ein, um den Kurden gegen die Angriffe türkischer Truppen zu helfen. Ankara wiederum will die Stadt einkesseln. Das Pulverfass in der Region droht endgültig zu explodieren - und der Westen schaut eigentümlich still zu.

Die Türkei nimmt sich das Recht, auf syrischem Boden gegen dort lebende Kurden Krieg zu führen. Das ist völkerrechtswidrig. Und die Bundesregierung gibt sich angesichts des vom Nato-Partner angerichteten Elends seltsam wortkarg. Hat Ankara mit der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel das Schweigen Berlins erkauft?

Allein der Verdacht wiegt schwer. Schließlich stärkte jedwede stille Duldung dem Aggressor aus Ankara den Rücken. Das ist beschämend - zumal erst der Kampf der Kurden maßgeblich zum Sieg der westlichen Allianz über die IS-Extremisten beigetragen hat.

Verdacht auf Kriegsverbrechen

Die von der Türkei - nun wohl auch mit Bomben - betriebene militärische Eskalation in und um Afrin gehört auf die Agenda der Nato-Allianz. Schließlich steht auch der Verdacht von Kriegsverbrechen im Raum. Hat die türkische Armee Giftgas eingesetzt? Kommt es zu gezielten Hinrichtungen gefangener Kurden? Droht Afrin ausgehungert zu werden? Ankara wiegelt ab. Einem Despoten wie Assad ließe der Westen derlei nie unwidersprochen durchgehen. Deutsche Diplomatie darf sich nicht mit Dementis abspeisen lassen. Sie muss nachfassen und zu einer starken Sprache gegenüber Ankara finden. Dass Rüstungsexporte in die Türkei vorerst tabu sind, versteht sich von selbst.

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