Hells Angels, Bandidos & Co. Drogen und Gewalt: Die Geschäftsfelder krimineller Rockergruppen

Von Jörg Sanders

Ein Mitglied der Hells Angels. Zahlreiche Charter der HA wurden verboten. Foto: AFPEin Mitglied der Hells Angels. Zahlreiche Charter der HA wurden verboten. Foto: AFP

Osnabrück. Rocker verletzen in einer Düsseldorfer Pizzeria 34 Gäste mit Reizgas und in der Folge zehn Polizisten. Dem Inhaber des Restaurants zufolge wollten die Hells Angels Schutzgeld haben. Ein typisches Geschäft mancher Rockerclubs.

Es soll der Präsident der Düsseldorfer Hells-Angels-Gruppe „D-City“ gewesen sein, der Anteile von der Pizzeria verlangt hatte, sagt der Inhaber. Als dieser ablehnte, erfolgte eine halbe Stunde später der Angriff mehrerer Personen mit Reizgas. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der Schutzgelderpressung. Dabei galt die Hells-Angels-Ortsgruppe „D-City“ eigentlich im Dezember als aufgelöst, nachdem mehr als 400 Polizisten eine Party der Rocker gesprengt hatten.

Bundesweit erstes Verbot Anfang 2015

Es ist eines von zahlreichen Verbrechen, begangen von Rockern. „In Deutschland gab es im Jahr 2016 rund 800 örtliche und regionale Ortsgruppen, genannt Chapter oder Charter bei den Hells Angels, von Rocker- und rockerähnlichen Klubs mit rund 11.000 Mitgliedern, sagt eine Sprecherin des Bundeskriminalamts (BKA) auf Anfrage unserer Redaktion. „In den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen treten Rockergruppierungen verstärkt auf“, ergänzt sie.

Zu den bekanntesten Motorradclubs (MCs) zählen die Hells Angels, Bandidos und Gremium samt ihrer jeweiligen Unterstützerclubs (Supporter). Rockerclubs haben in der Regel einen streng hierarchischen Aufbau mit einem Präsidenten an der Spitze. Ihre Zugehörigkeit zeigen die Mitglieder durch das Tragen von Abzeichen und gleicher Kleidung, in der Regel die Kutte. Kriminelle Rockergruppen bezeichnet die Polizei als Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG, „gesetzlose Motorradgruppen“).

Drogen und Gewalt

Im Jahr 2016 führte das Bundeskriminalamt 35 Ermittlungsverfahren gegen Rockergruppierungen, die sie der Organisierten Kriminalität (OK) zuordnete, heißt es im Bundeslagebild Organisierte Kriminalität 2016 des BKA. Daten aus 2017 veröffentlichte es bislang nicht und waren auch auf Anfrage nicht zu erhalten.

„Rund die Hälfte der Verfahren gegen Rockergruppierungen wurden im Jahr 2016 wegen Rauschgifthandel und Rauschgiftschmuggel geführt“, sagt die BKA-Sprecherin. Zumeist gehe es um Kokain, synthetische Drogen und Cannabis-Produkte. „Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Ermittlungsverfahren, in denen wegen Gewaltkriminalität – Erpressungs- und Tötungsdelikte – ermittelt wurde“, ergänzt sie. Konkret waren es 37,1 Prozent. Wiederholt kommt es zu Gewalttaten zwischen traditionell verfeindeten Klubs. Wie im Juni 2016 in Leipzig, als ein Höllenengel auf Mitglieder der rockerähnlichen Gruppierung United Tribuns geschossen und einen 27-Jährigen getötet haben sollen. Der Prozess läuft noch.

28 der 35 OK-Verfahren aus dem Jahr 2016 richteten sich gegen Mitglieder der Hells Angels (2015: 25), fünf gegen Bandidos (2015: 10) und ein Verfahren gegen Angehörige des Gremium MC (2015: 5). Acht Verfahren richteten sich gegen andere Rockergruppierungen.

Supporter und rockerähnliche Klubs

Weitere 39 OK-Ermittlungsverfahren des BKA richteten sich gegen Gruppierungen, die den Rockern nahestehen, etwa Unterstützerclubs.

In 15 Verfahren standen Mitglieder rockerähnlicher Gruppierungen wie die United Tribuns und Osmanen Germania im Focus der Ermittler. Sie sind ähnlich strukturiert und hierarchisiert wie MCs, sind in ähnlichen Kriminalitätsbereichen tätig, zeigen ihre Zugehörigkeit ebenfalls mit Symbolen auf Kutten, unterscheiden sich von Rockern aber durch die dem BKA zufolge „fehlende Motorradpflicht“.

Im Bereich der Organisierten Kriminalität haben 65,7 Prozent dem BKA zufolge die deutsche Staatsangehörigkeit.

Trend rückläufig

Im Bereich der organisierten Rockerkriminalität verzeichnet das BKA einen rückläufigen Trend. Im Jahr 2015 hatte es 42 Verfahren gegen sie gerichtet. „Bei einer Fünf-Jahres-Betrachtung der Rockerkriminalität weist diese einen abnehmenden Verlauf auf“, so die BKA-Sprecherin.

Und längst nicht alle Rockergruppen und Mitglieder sind kriminell. „Einzelne Mitglieder von Rockergruppierungen betreiben auch legale Geschäftsfelder“, sagt die BKA-Sprecherin. Etwa Sicherheitsgewerbe und Rotlichtmilieu.

Zahlreiche Verbote

Auf der anderen Seite wurden seit dem Jahr 2000 knapp 20 örtliche und regionale Klubs verboten. Anfang 2015 verbot Bundesinnenminister Thomas de Maizière erstmals bundesweit einen MC. Er stufte den niederländischen und als gewaltbereit geltenden Satudarah MC und seine Teilorganisationen als kriminelle Vereinigung ein. Die Rocker hatten bis dahin vermehrt Fuß in Deutschland gefasst und waren vor allem im Drogen- und Waffenhandel aktiv.

Knapp 800 Rocker in Niedersachsen

Ende 2015 waren dem Niedersächsischen Landeskriminalamt zufolge landesweit 765 Rocker in mehr als 70 Klubs aktiv. Dem LKA waren zu diesem Zeitpunkt sechs Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG; „geächtete Motorradgruppe“) bekannt. Im Einzelnen sind es Hells Angels, Bandidos, Gremium, Outlaws, Mongols und No Surrender. Hinzu kommen die Unterstützerclubs (Supporter) Red Devils (Hells Angels), Street Crew, Chicanos (Bandidos) und Contras (Bandidos).


Clubverbote in Deutschland

  • 1983: Hells Angels MC (HAMC) Germany Hamburg
  • 2000: HAMC Düsseldorf
  • 2010: HAMC Flensburg
  • 2010: Bandidos MC (BMC) Neumünster
  • 2011: MMC Bremen
  • 2011: HAMC Westend
  • 2011: HAMC Borderland
  • 2011: HAMC Frankfurt
  • 2012: HAMC Cologne
  • 2012: HAMC Kiel
  • 2012: BMC Aachen
  • 2012: HAMC Berlin City
  • 2013: HAMC Oder City
  • 2013: HAMC Bremen
  • 2013: Gremium MC (GMC) Regionalverband SN
  • 2013: Red Legion Stuttgart
  • 2013/2014: Schwarze Schaar MC Wismar mit Schwarze Jäger Wismar
  • 2014: HAMC Göttingen
  • 2015: Satudarah (bundesweit)
  • 2016: HAMC Bonn

Quelle: BKA