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19.02.2018, 17:49 Uhr SOZIALDEMOKRATEN IN DER KRISE

Abstimmung über Groko nur eine von vielen Baustellen der SPD

Kommentar von Uwe Westdörp

Ein SPD-Mitglied schaut sich seine Unterlagen für das SPD-Mitgliedervotum zur Bildung einer Großen Koalition mit der Union an. Die SPD-Mitglieder können zum zweiten Mal darüber abstimmen, ob ihre Partei auf Bundesebene mit CDU und CSU eine große Koalition eingeht. Foto: dpaEin SPD-Mitglied schaut sich seine Unterlagen für das SPD-Mitgliedervotum zur Bildung einer Großen Koalition mit der Union an. Die SPD-Mitglieder können zum zweiten Mal darüber abstimmen, ob ihre Partei auf Bundesebene mit CDU und CSU eine große Koalition eingeht. Foto: dpa

Osnabrück. Weitere Schreckensnachricht für die Sozialdemokraten: Die rechtspopulistische AfD hat in einer Umfrage erstmals die SPD bundesweit überholt. Das zeigt: Die Mitgliederbefragung zur Groko ist nur eine von vielen Baustellen der Genossen. Ein Kommentar.

Umfragen sind bekanntlich nur Momentaufnahmen. Doch ist das nur ein schwacher Trost für die SPD, die nun erstmals bundesweit hinter die AfD auf den dritten Platz zurückgefallen ist. Denn eine Tendenz hat sich nicht geändert: Es geht weiter bergab für die SPD, wie alle Untersuchungen der jüngeren Zeit belegen.

Das ist umso bemerkenswerter, als die Sozialdemokraten in den Koalitionsgesprächen gut verhandelt und beachtliche Erfolge erzielt haben. Doch was nutzt all das, wenn Postengeschacher sowie allerlei Irrungen und Wirrungen die Erfolgsmeldungen überschatten? Nein, die SPD hat nicht bloß ein Problem mit populären Alleinstellungsmerkmalen in einer immer unübersichtlicheren Parteienlandschaft. Hinzu kommt, dass sie durch ihren abenteuerlichen Schlingerkurs das wichtigste Kapital jeder Partei weitgehend verspielt hat: das Vertrauen der Wähler.

Mag sein, dass es der SPD nun gelingt, die eigene Parteibasis zu einem Ja zum Koalitionsvertrag zu bewegen – ihr Ansehen bei den Wählern zu steigern, wird ungleich länger dauern. Es liegt ein langer steiniger Weg vor den Sozialdemokraten.


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