Duett mit Kramp-Karrenbauer Merkel als Gute-Laune-Kanzlerin

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDU) stellt Annegret Kramp-Karrenbauer, Saarlands Ministerpräsidentin (CDU) als künftige Generalsekretärin vor. Foto: dpaBundeskanzlerin Angela Merkel (r, CDU) stellt Annegret Kramp-Karrenbauer, Saarlands Ministerpräsidentin (CDU) als künftige Generalsekretärin vor. Foto: dpa

Berlin. Angela Merkel als Gute-Laune-Kanzlerin – das hat man monatelang nicht mehr gesehen. Die Kanzlerin und CDU-Chefin freut sich diebisch über den Coup, den sie gelandet hat. Dass Annegret Kramp-Karrenbauer in die Bundespolitik wechselt, ist keine Überraschung. Dass die Saarländerin den Posten der CDU-Generalsekretärin übernimmt, ist es sehr wohl.

Wie zwei Schulmädchen kichern „Angela und Annegret“, weil der Kanzlerin bei der Vorstellung ihrer Kandidatin ein Versprecher unterläuft. Den Hinweis eines Journalisten, dass die saarländische Ministerpräsidentin damit als zweite Frau die CDU-Geschäfte steuert, verbessert Merkel spontan: „Sie ist die erste Frau in dem Amt.“ Erst als Kramp-Karrenbauer übernehmen will, dämmert es der CDU-Chefin, dass ihre eigene Karriere 1998 bis 2000 als Generalsekretärin begonnen hat. „Ach so, Entschuldigung“, schiebt Merkel unter allgemeinem Gelächter nach.

Die Saarländerin ist eine enge Vertraute Merkels und wie diese für einen sachlich-analytischen Politikstil sowie eine unaufgeregte Art bekannt. Am Montag aber zeigte die Kanzlerin auch Emotionen. Die 63-Jährige, im 13. Jahr ihrer Kanzlerschaft auch parteiintern angefeindet, ist „sehr berührt“, wie sich Kramp-Karrenbauer in den Dienst der Partei stellt. Kramp-Karrenbauer habe freie Wahl gehabt und auch ein Ministeramt übernehmen können, unterstreicht Merkel ihre Wertschätzung für die 55-Jährige. Die Saarländerin habe sich aber selbst für den Posten der Generalsekretärin ins Spiel gebracht.

Karriereknick?

Von der Ministerpräsidentin zur Kärrnerarbeit in der CDU-Zentrale – ist das nicht eigentlich ein Karriereknick? Ja, ganz sicher. „AKK“ – wie die Frau von der Saar genannt wird – hat aber nach eigenem Bekunden „ein Zeichen setzen“ wollen in einer „der schwierigsten Phasen“ dieser Bundesrepublik. Tatsächlich ist die Erosion der Volksparteien und deren Überalterung eine massive Herausforderung. Derzeit hatte die CDU Ende 2017 noch rund 426 000 Mitglieder. Ende 2016 waren es noch 432 000 gewesen. Es sei „ein großes Glück“, dass sich die 55-Jährige dafür einsetzen wolle, die CDU zusammenzuhalten und den Mitgliedern auch „wieder mehr Heimat zu geben“, sagt Merkel bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit der künftigen Generalsekretärin. Die soll am 26. Februar auf einem Parteitag in Berlin gewählt werden.

Winkt Kramp-Karrenbauer eine Belohnung? Etwa die Übernahme von Merkels Posten, wenn diese sich zur Hälfte der bis 2021 laufenden Wahlperiode zurückziehen sollte? Das wird auf den Fluren der CDU-Zentrale natürlich diskutiert – und von einem Journalisten auch gefragt. Merkel kontert brüsk: „Es ist Ihr Privileg, immer drei Runden weiter zu sein als andere.“

Plötzlich Respekt

Der CDU-Wirtschaftsrat – er hatte Merkel vehement zu Erneuerung gedrängt – zollt der Kanzlerin am Montag Respekt. Kramp-Karrenbauer sei ein „wirklich gewichtiger Personalvorschlag“, sagt Generalsekretär Wolfgang Steiger unserer Redaktion. Wenn eine Ministerpräsidentin ihr gesichertes Amt aufgebe, um Generalsekretärin zu werden, dann werte das diese Position auf .„Alle Achtung, Frau Kramp-Karrenbauer! Das lässt stärkere inhaltliche Profilierung erwarten“, betont Steiger. Diese Profilierung sei nach dem Ergebnis der Bundestagswahl „sehr nötig“. Gerade wenn die Große Koalition zustande kommen sollte, müsse die Union der SPD-Politikerin Andrea Nahles im Doppelamt von Partei- und Fraktionsvorsitz eine starke Person gegenüberstellen.

„Besonders wichtig ist, dass die CDU wieder mit allen Flügeln fliegt – inhaltlich und personell. Dafür braucht sie wieder ein klareres marktwirtschaftliches Profil“, unterstreicht der CDU-Wirtschaftsrat seine Erwartungen an die neue Generalsekretärin. Der Vorsitzende der niedersächsischen Abgeordneten im Bundestag, Mathias Middelberg, zeigte sich ebenfalls hochzufrieden. „AKK wäre eine Top-Besetzung. Als ,General‘ hat sie die Chance, sich breit politisch zu entfalten“, sagt der Osnabrücker.

Einer ist am Montag in die CDU-Bundeszentrale gekommen, um Abschied zu nehmen. Peter Tauber, seit 2013 Generalsekretär, zieht sich zurück. Unter Peter Tauber hat die CDU eine Bundestagswahl gewonnen. Aber der 43-Jährige ist dennoch im Amt glücklos geblieben. Viele – speziell unter den älteren Mitgliedern – konnten mit den Modernisierungsversuchen des 43-jährigen Historikers und Reserveoffiziers, der bei der Nationalhymne stets die Hand aufs Herz legt, nichts anfangen. Dann kam eine schwere Erkrankung Taubers hinzu. Er räumt den Platz, um Merkel Optionen in einer schwierigen Regierungsbildung zu eröffnen. Ein treuer Gefolgsmann bis zum Schluss. Merkel dankte ihm dafür.

Der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak, hob hervor, Tauber sei „ein guter, moderner Generalsekretär für die junge Generation“ gewesen. Ja, der Hesse war stets ein Treiber bei der Digitalisierung. Eröffnet sich ihm hier ein Arbeitsfeld?


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