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19.02.2018, 15:33 Uhr KOMMENTAR

CDU-Topjob für Kramp-Karrenbauer: Die Frau, die siegen kann

Von Beate Tenfelde


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, rechts) stellte  Annegret Kramp-Karrenbauer, Saarlands Ministerpräsidentin ( CDU) als künftige Generalsekretärin vor. Foto:dpaBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, rechts) stellte Annegret Kramp-Karrenbauer, Saarlands Ministerpräsidentin ( CDU) als künftige Generalsekretärin vor. Foto:dpa

Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Annegret Kramp-Karrenbauer als Kandidatin für den Generalsekretärsposten präsentiert. Die Idee sei von der 55-Jährigen selbst gekommen. Es sei „ein großes Glück“, dass sich die saarländische Ministerpräsidentin dafür einsetzen wolle, die CDU zusammenzuhalten und den Mitgliedern auch „wieder mehr Heimat zu geben“,sagte Merkel und zeigte sich „berührt“. Ein Kommentar.

Na, bitte! Geht doch. Auch in die Union kommt Bewegung. Die CDU-Chefin überrascht mit einer unkonventionellen Entscheidung für eine Frau als Generalsekretärin, die erfahren und zugleich neu ist auf der Berliner Bühne. Einer Frau, die Wahlen gewinnen kann. „AKK“ an ihre Seite zu holen ist ein raffinierter Schritt Angela Merkels, allerdings erfolgt er nicht freiwillig. Die Kanzlerin ist getrieben vom Druck der Basis. Die hat genug von „Ex-Kathedra“-Verordnungen einer Matriarchin, die längst nicht mehr unter Denkmalschutz steht.

Wird Merkels Befreiungsschlag klappen? Das kommt jetzt auf ihre weiteren Personalentscheidungen an. Fakt ist: Die SPD hat ihr einen Koalitionsvertrag abgepresst, der mindesten zu 50 Prozent – wenn nicht mehr – sozialdemokratische Handschrift trägt. Will Merkel den Unions-Frust lindern, muss sie ihre Macht teilen – auch mit Widersachern wie Jens Spahn. Das „System Merkel“ – Groll aussitzen und einsam entscheiden – ist am Ende.

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer bedient nun eine Frau die Schalthebel der Union, die verbindlich auftritt, aber harte Schnitte nicht scheut. So hat die 55-Jährige die Saar-FDP wegen Unfähigkeit gnadenlos abserviert und an der Saar einen volksnahen Wahlkampf hingelegt. Die Junge Union und der Wirtschaftsflügel der Christdemokraten können das Genöle einstellen. Sie werden keine stichhaltigen Argumente gegen Merkels Kandidatin finden. Mit der Berufung von „AKK“ hat die angeschlagene Kanzlerin eine treue und keinem Flügel verpflichtete Gefolgsfrau eingespannt sowie ihre Macht an allen Schaltstellen gefestigt. Die Frage ist, was hat die Regierungschefin „AKK“ versprochen, damit diese ihren Posten an der Saar aufgibt? Eine steile Karriere in Berlin?


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