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18.02.2018, 17:13 Uhr MÜNCHNER SICHERHEITSKONFERENZ

Warum keine Entspannung bei den Krisen der Welt in Sicht ist

Von Marion Trimborn


Die Münchner Sicherheitskonferenz ist von Drohungen und Sprachlosigkeit geprägt. Israels Premier Benjamin Netanjahu droht dem Erzfeind Iran. Foto: dpaDie Münchner Sicherheitskonferenz ist von Drohungen und Sprachlosigkeit geprägt. Israels Premier Benjamin Netanjahu droht dem Erzfeind Iran. Foto: dpa

Osnabrück. Eigentlich ist die Münchner Sicherheitskonferenz ein Ort, um über Konflikte zu reden, vielleicht gar sie zu lösen. In diesem Jahr ist das Gegenteil der Fall. Die Krisen und Kriege auf der Welt weiten sich aus - und Diplomaten und Politiker verfallen in Schweigen oder Kriegsrhetorik. Kein gutes Zeichen. Ein Kommentar

Unter Andersdenkenden Angst und Schrecken zu verbreiten, ist in der Türkei an der Tagesordnung. In Deutschland hat solch eine perfide Strategie aber nichts verloren, noch viel weniger auf internationalem Konferenzparkett.

Dass die Schergen von Präsident Erdogan es sich erlauben, bei der Münchner Sicherheitskonferenz einen deutschen Grünen-Politiker als Terroristen zu bedrohen, zeigt deren Maß an Realitätsverlust. Der Vorfall mit Cem Özdemir, der nun Polizeischutz bekommt, ist auch ein Beleg für die Aggressivität Ankaras. Nach der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel tritt die Türkei unverschämt und kompromisslos auf. Glaubt Erdogan wirklich, dass sich die Beziehung zu Deutschland schnell normalisiert und Berlin grünes Licht für Waffenlieferungen gibt?

Doch es ist nicht nur die Türkei, die mit scharfer Rhetorik irritiert. Da erklärt Israels Premier Netanjahu im Konferenz-Zirkus dem Erzfeind Iran indirekt den Krieg. Verantwortungsloser geht es nicht, der Nahostkonflikt könnte völlig außer Kontrolle geraten. Russland unterstellt Europa derweil eine Rückkehr in die Nazizeit und die USA Moskau den gezielten Versuch der Wahleinmischung.

Statt für Entspannung zu sorgen, hat die Konferenz die allgemeine Verunsicherung verstärkt. Welch düsteres Fazit: Die Krisen und Kriege auf der Welt weiten sich aus. Und die Diplomaten sind sprachlos oder verfallen in Kriegsrhetorik. Wohin soll das nur führen?


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