Debatte um US-Waffenrecht Schüler nach Amoklauf: „Ihr seid die Erwachsenen, tut etwas“

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Osnabrück/Parkland. „Thoughts und prayers“ seien nicht genug: Ein Schüler, der den Amoklauf in Portland überlebt hat, fordert in einem Fernsehinterview von den politischen Entscheidern mehr als nur die gängigen Floskeln nach Unglücken.

Ein verstörter junger Mann kehrt mit einem Sturmgewehr bewaffnet an seine ehemalige Schule zurück und erschießt 17 Menschen, mindestens 14 werden verletzt. Dutzende Schüler der High School in Florida stehen unter Schock.

Der 17-jährige David Hogg überlebte den Amoklauf. Dem Fernsehsender CNN gab er zusammen mit einer Mitschülerin ein Interview. Während das Mädchen neben ihm sichtbar um Fassung ringt, richtet Hogg einen klaren Appell in die Richtung der Politik: „Wir können sagen, wir tun all diese Dinge – Gedanken und Gebete – was wir eher brauchen als das, sind Taten. Bitte. Es ist das 18. Mal dieses Jahr. Das ist inakzeptabel. Wir sind Kinder. Ihr seid die Erwachsenen. Ihr müsst etwas unternehmen und eure Rolle erfüllen. Arbeitet zusammen, überwindet euren Politikkram und kriegt es fertig.“

US-Präsident Donald Trump hatte am Tag des Amoklaufs mehrere Tweets abgesetzt und darin unter anderem den Angehörigen der Opfer sein Beileid ausgedrückt.

In weiteren TV-Interviews wiederholte David Hogg seinen Appell. Die Politiker würden zu wenig Präventionsarbeit leisten, sei es bei der Versorgung von mental Kranken oder der Waffenkontrolle.

Republikaner und Demokraten bei Waffenthema uneins

Damit spricht er ein Thema an, das in den USA seit Jahrzehnten umstritten ist. Am Bürgerrecht, Waffen zu besitzen, wollen vor allem die Republikaner nicht rütteln. Nach dem erneuten Fall schweren Waffenmissbrauchs regt sich bei den Konservativen nur zaghaft Mut zur Veränderung. Der Justizminister Jeff Sessions sagte nach den Schüssen in Portland, im Land passiere „etwas Ungesundes und Gefährliches“. Als Reaktion schlägt er konsequenteres Eingreifen im Umgang mit labilen Menschen vor. Keine Waffen für psychisch angeschlagene Menschen, fordert der Gouverneur von Florida, Rick Scott (Republikaner). Paul Ryan, Sprecher des Abgeordnetenhauses, würgte Diskussionen um verschärfte Waffengesetze dagegen ab. Den Bürgern sollte ihr Recht auf Waffenbesitz nicht weggenommen werden, sagte der Republikaner.

Einige hochrangige Demokraten halten die Untätigkeit für verhängnisvoll. Chris Murphy, Senator in Connecticut, spricht von einer „Epidemie der Massentötungen“. Der Parteivorsitzende der Demokraten, Tom Perez, sagte, der derzeitige Zustand sei nicht akzeptabel: „Kein Kind sollte Angst haben müssen, in die Schule zu gehen. Kein Amerikaner sollte Angst haben müssen, zur Arbeit zur gehen oder zum Gebetshaus. Niemand in diesem Land sollte sich davor fürchten, ein Einkaufszentrum zu besuchen, das Baseballstadion, eine Diskothek oder das Kino, ein Konzert oder den Uni-Campus.“ Überall dort hatte es in den USA in den vergangenen Jahren tödliche Schüsse gegeben.

(Mit dpa)


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