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14.02.2018, 18:06 Uhr POLITISCHER ASCHERMITTWOCH

Schluss mit Häme und Gezänk: Wie wär’s mal mit regieren?

Kommentar von Uwe Westdörp

Wenn Politik auf Stammtisch stößt: politischer Aschermittwoch im baden-württembergischen Fellbach; links Landesinnenminister Thomas Strobl, rechts der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn. Foto: dpaWenn Politik auf Stammtisch stößt: politischer Aschermittwoch im baden-württembergischen Fellbach; links Landesinnenminister Thomas Strobl, rechts der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn. Foto: dpa

Osnabrück. Die Turbulenzen seit der Bundestagswahl, das Führungschaos bei der SPD, die Hängepartie auf dem Weg zu einer GroKo - all das beherrscht den diesjährigen politischen Aschermittwoch. Und nun? Nun ist es an der Zeit, innezuhalten. Ein Kommentar.

Jetzt mal langsam. Nachdem die Parteien sich am Aschermittwoch erneut mit Hohn und Spott überzogen haben, muss es nun auch gut sein. Ja, die SPD gibt kein gutes Bild ab. Und ja: CDU und CSU sind aktuell ebenfalls keine Schönheiten. Die Ersten versinken im Personalchaos. Die Zweiten erscheinen grau und nachgiebig. Und die Dritten hecheln atemlos abtrünnigen Wählern hinterher, weil sie weit entfernt sind von alter Pracht und Macht.

Mit Ruhm haben sie sich in jüngster Zeit alle nicht bekleckert. Doch besteht kein Grund zur Häme. Vielmehr ist Einkehr gefordert, eine Art politische Fastenzeit, in der die Parteien sich endlich wieder auf den Kern von Politik konzentrieren. Und der besteht nicht nur aus Machtkampf und Postengeschacher.

Viel wichtiger sind Entscheidungen, die den sozialen Frieden sichern, Wachstum und Wohlstand fördern und das Land angesichts großer globaler Herausforderungen zukunftsfest machen. Man stelle sich nur vor, die Parteien hätten genauso viel Energie in klugen Klima- und Umweltschutz investiert, wie in ihr Jamaika- und Groko-Gezänk – ein Aufatmen ginge durchs Land.

Bei aller Kritik steht aber zugleich fest: Deutschland ist mit den etablierten Parteien gut gefahren, auch mit der SPD, die aktuell ihre tiefste Krise der Nachkriegszeit durchlebt. Echte Alternativen gibt es nicht.


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