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14.02.2018, 17:00 Uhr EIN JAHR IN HAFT

Warum es Bewegung im Fall Deniz Yücel gibt

Kommentar von Marion Trimborn

Es gibt berechtigte Hoffnung, dass der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel frei kommen könnte. Foto: dpaEs gibt berechtigte Hoffnung, dass der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel frei kommen könnte. Foto: dpa

Osnabrück. Er ist eine politische Geisel Ankaras, der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel. Seit einem Jahr ist er in Haft, doch das könnte sich bald ändern. Ein Kommentar

Er ist nicht irgendein Häftling. Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel ist eine politische Geisel Ankaras. Ein Druckmittel des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im schwelenden Streit mit Deutschland. Und genau das ist Yücels Chance. Denn die Türkei scheint nicht so recht zu wissen, was sie mit dem prominenten Kritiker nach einem Jahr Haft anfangen soll. Dass es immer noch keine Anklageschrift gibt, ist ein Zeichen dafür, dass die Justiz den Fall bewusst in der Schwebe hält und auf Anweisung wartet. Von ganz oben, von Präsident Erdogan.

Der Fall Yücel kann daher nur politisch gelöst werden. Doch das ist auch die Krux. Ankara kann von Berlin keinen Deal verlangen. Deutsche Panzer oder Anhänger des von Erdogan gehassten Geistlichen Gülen gegen Yücels Freiheit zu tauschen, wäre innenpolitisch nicht vermittelbar.

Dennoch könnten die Dinge nun in Bewegung kommen, wie Ministerpräsident Yildirim andeutet. In den nächsten Monaten entscheidet der Europäische Menschengerichtshof in Straßburg über Klagen von Yücel und anderen türkischen Häftlingen. Es droht eine Klatsche, weil die Türkei die Menschenrechte so offenkundig verletzt. Das kann der Türkei als Mitglied des Europarates nicht egal sein. Somit ist Ankara unter Zeitdruck, eine Lösung zu finden, bei der sie das Gesicht wahren kann. Deshalb ist die Hoffnung berechtigt, dass Yücel nicht noch ein weiteres Jahr in Haft bleiben muss.


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