CDU drängt auf neue Köpfe Ein Arzt für die Operationen im Kanzleramt

Von Beate Tenfelde

Der Christdemokrat Helge Braun, ein Arzt, könnte Nachfolger von Peter Altmaier als Kanzleramtsminister werden. Foto: AFPDer Christdemokrat Helge Braun, ein Arzt, könnte Nachfolger von Peter Altmaier als Kanzleramtsminister werden. Foto: AFP

Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Türen aufgestoßen: Sie will jenen Chancen geben, die „ihre politische Zukunft noch vor sich haben oder mitten da drin sind“, sagte sie im ZDF. Jens Spahn und andere drängeln draußen schon, aber wer ist Helge Braun, der Kanzleramtsminister werden könnte?

Der 45-jährige Hesse, dem beste Chancen als Nachfolger von Peter Altmaier eingeräumt werden, ist Narkosearzt. Nach der Bundestagswahl 2013 zog der Christdemokrat, der schon als Jugendlicher politisch engagiert war, als Staatsminister ins Kanzleramt ein. In seinem Büro im fünften Stock sorgt er dafür, dass es bei der Kooperation zwischen Bund und Ländern keine Komplikationen gibt.

Was genau haben Anästhesisten und Kanzleramtsminister gemeinsam? Beide agieren eher unauffällig im Hintergrund, beide müssen den Ruhm anderen überlassen. Und doch läuft ohne sie nichts, weder in der Klinik noch in der Politik. Kanzleramtsminister sorgen dafür, dass ein Regierungsapparat reibungslos läuft. Der Mediziner Helge Braun scheint auf diesen Job also gut vorbereitet zu sein. Von Angela Merkel ist bekannt, dass sie schon länger auf den stets gut gelaunten Wissenschaftler setzt.

Spahn Generalsekretär?

Auch eine Neubesetzung des Generalsekretärpostens stellte Merkel in Aussicht. An erster Stelle wird für diese Aufgabe der 37-jährige Jens Spahn genannt. Der Westfale ist noch parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, das aber künftig in Hand der SPD ist. Der mit einem Journalisten verheiratete Spahn gehört zu den jungen CDU-Konservativen, die in der Flüchtlingskrise auf Distanz zur Parteiführung um Merkel gingen. Die Kanzlerin könnte ihn nun einbinden.

Die Beschreibung jung, ehrgeizig und konservativ passt auch auf Carsten Linnemann. Der 40-jährige Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union machte in der Vergangenheit mehrfach mit der Forderung auf sich aufmerksam, die CDU müsse ihr Profil wieder schärfen. Da Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) für den Posten des Wirtschaftsministers als gesetzt gilt, könnte Linnemann die vorderste Reihe im Kabinett noch verwehrt bleiben. Doch als Staatssekretär dürfte Linnemann auf jeden Fall im Gespräch sein. Ziemlich sicher im Kabinett einer neuen Großen Koalition dürfte die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sitzen. Die 45-Jährige stammt aus einer rheinland-pfälzischen Winzerfamilie und war von 2009 bis 2011 bereits parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium. Nun könnte sie dort Chefin werden.

Massiv unter Druck

Merkel war CDU-intern massiv unter Druck geraten, weil sie bei den Koalitionsverhandlungen das Finanzministerium geopfert hat und der SPD überließ. Der CDU-Wirtschaftsrat fordert daher, frische Kräfte in das Kabinett zu holen. Nur so könne das für die CDU „miserable Verhandlungsergebnis“ bei der Vergabe der Ministerien „wenigstens teilweise geheilt werden“, sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger unserer Zeitung. Mit Blick auf die Erneuerungsversprechen der CDU-Chefin in einem ZDF-Interview erklärte Steiger: „Die Besetzung der Ministerien sollte über diese Wahlperiode hinaus weisen.“ Er würdigte die Benennung des „bekannten und bewährten Peter Altmaier“. Um einen „glaubwürdigen Aufbruch noch deutlicher“ zu machen, müsse nun auch die Berufung junger Köpfe folgen, forderte der CDU-Wirtschaftsrat. Altmaier ist als Chef im Wirtschaftsministerium im Gespräch.

Rebellisch dagegen reagierte wieder einmal Finanz-Experte Klaus-Peter Willsch auf Merkels Erneuerungsversprechen. Deren Versuch, das schlechte Verhandlungsergebnis und die Wahlschlappe von September schönzureden, habe ihn nicht überzeugt“, sagte der. „Wir müssen uns in der CDU schon jetzt überlegen, wie wir uns ohne Merkel personell neu aufstellen“, fügte er hinzu.